Ace Combat 7 – Nur Fliegen ist schöner

Ace Combat 7: Skies Unknown versucht den Spagat zwischen Fliegerromantik und Anti-Kriegsspiel. Wir fliegen mit, Maverick! Von Clemens Istel

Kein Fliegerspiel ohne Top Gun-Referenz. Ace Combat 7: Skies Unknown steckt selbstverständlich voller Momente, die uns an den kultigen Tom Cruise-Streifen aus den 80ern erinnern. Doch Bandai Namcos neuester Release erzählt vor allem zwei Geschichten: Fliegen ist das Schönste auf der Welt und Krieg ist immer noch schrecklich.

Wir schlüpfen in die Rolle eines namenlosen Jetpiloten, den wir nur unter seinem Rufnamen Trigger oder später auch Swat-15 kennen. Als dieser starten wir auf Seite der Föderation von Osea in den Himmel, um dem Königreich Erusea entgegenzutreten. Die beiden fiktiven Länder haben sich nach zehn Jahren des Friedens erneut den Krieg erklärt.

Die Protagonistin in Ace Combat 7 sehnt sich nach der Freiheit im "Dark Blue".

Die Protagonistin in Ace Combat 7 sehnt sich nach der Freiheit im „Dark Blue“.

Die eigentliche Geschichte eröffnet aber eine angehende weibliche Kampfpilotin. Sie erzählt uns, wie sehr sie das Fliegen fasziniert, schwärmt immer wieder vom “Dark blue”, in das sie mit ihrer Maschine aufsteigt. Bis sie eines Tages bei einem ihrer Testflüge in die Kampfhandlungen verwickelt wird.

Weil sie diesen zu nahe gekommen ist, wird sie kurzerhand strafversetzt und ihre Pilotenkarriere ist vorerst im Eimer. Als Ablenkungsmanöver soll sie fortan Flugzeugattrappen auf einer ebenso faken Airbase zusammenbasteln. Nur die Motoren funktionieren, damit die feindlichen Satelliten auf die Wärmesignatur hereinfallen. Doch unsere toughe Protagonistin will mehr. Sie will wieder fliegen.

Zwischen Drohnen und Freiheit

Als wir zum ersten Mal als namenloser Pilot in den Einsatz starten, ist die Vorfreude groß. Endlich wieder ein Flugzeugspiel. Endlich wieder die technischen Meisterwerke erleben, die wir als Kind schon in Stickerheften, als Modellbausatz oder auf Flugshows bestaunt haben. Der Traum vom Fliegen wird in Ace Combat 7 wieder wahr.

Doch so schnell wie die Faszination aufkam, verschwindet sie auch wieder. Schon im Mission Briefing herrschte ein barscher Ton. Militärisch korrekt. Als uns die ersten Maschinengewehrsalven und Raketen um die Ohren fliegen, ist von der Fliegerromantik nur noch wenig spürbar.

Erusea erobert den Kontinent Usea. Osea schlägt zurück.

Erusea erobert den Kontinent Usea. Osea schlägt zurück.

Unsere F16 “Fighting Falcon” steuert sich zum Glück wunderbar. Nach kurzer Eingewöhnungsphase jonglieren wir unseren Vogel immer besser durch die feindliche Flotte und schalten ein Ziel nach dem anderen aus. An dieser Stelle empfehlen wir die Experteneinstellung für die Steuerung. So lassen sich die aberwitzigsten Manöver ausführen und ihr tanzt mit eurer Maschine regelrecht durch die Luft.

Also ist dieser Konflikt ja doch nicht so schlimm. Ein paar verrostete Flieger vom Himmel holen und schon setzen wir wieder zur Landung an. Im Anschluss können wir uns in aller Ruhe noch einmal aus verschiedenen Kameraperspektiven den Ablauf der Mission ansehen. Wie auch die Darstellung der Flugzeuge im Hangar, erinnert Ace Combat 7 im Ganzen in puncto Präsentation stark an Gran Turismo.

Doch schon die nächsten beiden Missionen holen uns in die Realität zurück. Der Feind ist technisch deutlich überlegen. Er bedient sich futuristischer Drohnentechnologie und jagt uns die wendigen Biester in Scharen an den Hals. So cool das Replay einer Mission inszeniert ist, so hektisch und furchteinflößend ist der tatsächliche Kampf aus der Cockpitsicht.

Wenn das HUD in Knallrot erstrahlt und die Raketen-Warnmeldung länger und eindringlicher piept als ein Montagmorgenwecker, ist das Freiheitsgefühl dahin.

Der Veteran

Der Konflikt spitzt sich zu und der Kampf um den sogenannten Space Elevator, der sowohl strategisch als auch symbolisch von hoher Bedeutung ist, erlebt einen traurigen Höhepunkt. Wir sollen den Präsidenten retten, der bei einem Besuch des Space Elevators vom Krieg überrascht wurde und seitdem dort festsitzt. Die Mission verläuft nicht nach Plan und ein Kriegsgericht verurteilt uns als den Schuldigen. Wir landen in der falschen Airbase, die schon der anderen Protagonistin als neue Heimat dient.

Enge Täler und zwischen Klippen und Hügeln versteckte Basen und Flugabwehrstellungen. Das Leveldesign in Ace Combat 7 ist eine Herausforderung.

Enge Täler und zwischen Klippen und Hügeln versteckte Basen und Flugabwehrstellungen. Das Leveldesign in Ace Combat 7 ist eine Herausforderung.

Alle Insassen dieser Strafanstalt gelten als entbehrlich und werden deshalb auf die gefährlichsten Missionen geschickt. Ace Combat 7 zieht mit der Schwierigkeit an. Umringt von unzähligen Feinden sind wir, immer noch als namenloser Pilot, nun auf der Jagd nach Bombern, müssen schwer bewachte Bodenziele ausschalten und uns durch enge Canyons und Gewitterwolken kämpfen. Bis wir eines Tages beinahe unseren Meister finden. Wer bisher dachte, die Drohnen wären ein nerviger Schwarm, wird in diesem Bossfight sein blaues Wunder erleben. Stellt euch vor, man könnte ein Flugzeug so lenken, wie ein Schlangenmensch sich bewegen kann.

In einem dritten Handlungsstrang bekommen wir Einblick in die Geschichte eines Pilotenveteranen. Er hilft mit seinen Einsätzen Erusea dabei, die noch unausgereiften Drohnen weiter zu verbessern und sie die Manöver der feindlichen Piloten besser vorhersagen zu lassen. Um seine Gesundheit steht es schlecht. Besonders als er eines Tages mit letzter Kraft gerade noch aus einem Gefecht entkommt. Auch er hätte beinahe seinen Meister gefunden. Worauf das wohl hinausläuft?

Wer die Heckflosse dieser Suchoi erspäht, sollte sich warm anziehen.

Wer die Heckflosse dieser Suchoi erspäht, sollte sich warm anziehen.

Krieg bleibt schrecklich

Der Spagat zwischen Freiheitsgefühl und Kriegsschrecken funktioniert. Mit Freuden schlagen wir Loopings, schalten neue Flugzeuge und Upgrades frei und ergötzen uns an den optisch exzellenten Replays unserer waghalsigen Manöver. Doch die Faszination, die von diesen hochtechnischen Tötungsmaschinen ausgeht, glorifiziert den Krieg keineswegs unreflektiert.

Jede Mission macht uns direkt bewusst, dass in einem Krieg Menschen sterben. Jene, die freiwillig oder unfreiwillig an der Front stehen, aber auch Zivilisten. Die Opfer haben Familien, die um sie bangen, bis sie die schreckliche Gewissheit haben, dass ihre Liebsten nicht mehr heimkehren. Sie bangen, wie die beiden Enkeltöchter des Veteranen, als dieser gerade noch einmal seinem Schicksal entrinnen konnte.

Ace Combat 7 erinnert uns: Krieg fordert seinen Tribut!

Ace Combat 7 erinnert uns: Krieg fordert seinen Tribut!

Bei aller Begeisterung für die Flugzeuge entlässt uns Ace Combat 7 also trotzdem nicht ohne Nachdenken. Und trotzdem, oder vielleicht deswegen, können wir dieses Spiel tatsächlich genießen. Das Comeback der langdienenden Reihe ist gelungen. Wir hoffen, dass wir noch viele weitere Male abheben dürfen. Auf Playstation 4 und Xbox One ist Ace Combat 7 bereits erschienen. Eine PC-Version folgt am 1. Februar 2019.


Bilder © Bandai Namco

Autor/Autorin

Clemens Istel

Schon als Kind hatte Clemens lieber den MegaDrive Controller als das Fläschchen in der Hand. Rund ein Vierteljahrhundert macht er bereits virtuelle Welten unsicher. Ob RPG oder FPS, kaum ein Genre ist vor ihm sicher. Selbst im ESport hat der "Head of Head off" von Screaming Pixel seine Erfahrungen gesammelt. Grundsätzlich gilt für ihn: Je openworlder, desto zock!

Deine Mail-Adresse wird nicht gepostet. Die benötigten Felder sind markiert*