Ein Blick auf die “Kleinen” – Das Indie-Jahr 2018

Das Gamingjahr 2018 hatte nicht nur AAA-Titel zu bieten. Auch die “Kleinen” hatten ihre großen Momente. Ein Indie-Rückblick mit persönlicher Note. Von Louis Oelmann.

Spider-Man. God of War. Red Dead Redemption 2. Habt ihr die Spiele hoch genug in den Himmel gelobt? Ja? Dann vergesst sie mal für die nächsten paar Minuten. Denn ich bin eher abseits davon unterwegs. Wo genau? Na bei den Indie-Titeln. Wobei es natürlich immer Ansichtssache ist, was jetzt als Indie-Spiel gilt und was nicht. So kurz vor dem neuen Jahr gibt es hier nun also meine Indie-Highlights von 2018.

Kurze Anmerkung vorweg: Wenn ein Spiel auf dieser Liste vorkommt, dann heißt es nicht zwangsläufig, dass ich es auch gespielt habe. Es geht schlichtweg um Spiele, die auffallen, polarisieren und in Erinnerung bleiben. In diesem Fall aus meiner Sicht. Let’s go!

Moss

Das Jahr ist noch keine zwei Monate alt und schon haben wir ein wirkliches Kleinod am Start. Sogar in VR. Moss vom US-amerikanischen Studio Polyarc kam am 27. Februar zunächst für die PlayStation VR und im Juni dann noch auf PC für die Oculus Rift und die HTC Vive.

Darin schlüpfen wir gleich in zwei Rollen. Zum einen steuern wir Quill. Nein, nicht Starlord, sondern eine kleine, süße Mäusedame. Die schafft es aber nicht alleine durch die wunderschön designte Welt. Deshalb liegt es an unserem virtuellen Ich, Quill unter die kleinen Ärmchen zu greifen.

Mithilfe der VR-Steuerung legen wir als riesiges Geisterwesen beispielsweise Schalter um, öffnen Türen oder bewegen Blöcke. Das hat mich ein bisschen an VR Giants von Wolfgang Tschauko erinnert. “Riesig” ist dabei relativ. Aus der Perspektive einer Maus halt. Zwar ist Moss mit etwa drei bis vier Stunden Spielzeit kein wirklich langes Spiel, in der kurzen Zeit schafft es aber, uns in seinen märchenhaften Bann zu ziehen. Da will man am Ende das VR-Headset gar nicht mehr absetzen.

 

CHUCHEL

Ihr wollt einen süßen Art Style, abgedrehte Rätsel und einen Helden, den man mal so gar nicht verstehen kann? Dann ist CHUCHEL vom tschechischen Studio Amanita Design genau das richtige Spiel für euch. Seit dem 7. März verzaubert ein kleines Wollmaus-ähnliches Wesen die Videospielwelt. Allein der Trailer hat mich persönlich schon zum Lächeln gebracht. Ich meine, hört euch doch einfach mal an, was der Hauptcharakter Chuchel so für Geräusche von sich gibt. Selbst wenn er (Sie? Es? Keine Ahnung.) wütend ist, ist er einfach zum Knuddeln.

Da können wir es kaum verweigern, ihm bei der Suche nach seiner geliebten Kirsche zu helfen. Auf dem Weg dahin treffen wir allerhand seltsame Wesen, die noch seltsameren Tätigkeiten nachgehen. Kaum etwas ist hierbei vorhersehbar. Gerade weil CHUCHEL sehr von dem Überraschungsmoment lebt, soll hier auch gar nicht weiter auf Inhalte eingegangen werden. Ich lasse einfach mal einen Trailer da und überlasse euch die weiteren Entscheidungen.


Dead Cells

Ein guter Tag zum Sterben. Stirb langsam 5 schon durch? Dann geht’s gleich weiter mit Dark Souls. Oder ihr tut es unserem Chefredakteur gleich und lasst euer Leben gleich mehrfach in Motion Twins Dead Cells. Das Studio aus dem französischen Bordeaux brachte uns am 7. August diesen Mix aus klassischem Metroidvania, Rogue-lite und dem tödlichen Dark Souls-Kampfstil. Wer den virtuellen Tod überwinden will, ist hier also an der richtigen Adresse. Wobei das natürlich leichter gesagt ist, als getan.

Im ersten Anlauf wird’s sicher nichts. In den folgenden wohl auch nicht. Aber der Tod kommt mit der Zeit immer später. Wir machen also Fortschritte. Jeder noch so kleine Erfolg treibt uns weiter voran. Unser Clemens fühlt sich dadurch in seinem Artikel in seine Zeiten als semiprofessioneller Esportler zurückversetzt. Jede kleine Möglichkeit, sich zu verbessern, war damals sein Antrieb in Counter-Strike. Heute findet er dieses Gefühl unter anderem in Dead Cells. Vielleicht geht es euch ja ähnlich.

 

The Gardens Between

Über einen Monat später, genauer am 20. September, brachte uns The Gardens Between zurück in die Vergangenheit. Und dann wieder Richtung Zukunft. Ein kleines bisschen zurück. Dann doch wieder nach vorne. Verwirrt? Keine Sorge, so schlimm ist das Spiel vom australischen Entwicklerteam The Voxel Agents dann doch nicht. Das Prinzip ist sogar recht simpel. Es gilt, Rätsel zu lösen, indem man die Zeit entweder vor- oder zurückspult.

Die Hauptfiguren Arina und Frendt bewegen sich dann dementsprechend vor oder zurück. Vielmehr Einfluss kann wir auf sie nicht ausüben. Auf diese Weise müssen wir Portale an der Spitze von Inseln erreichen, die jeweils ein Level darstellen. Diese Inseln sind aber alles andere als normal. Oft sind sie rund um übergroße Alltagsgegenstände aufgebaut. Diese wundersame Umgebung und das innovative Spielprinzip machen The Gardens Between sicherlich zu einem Highlight.

 

GRIS

Zum Jahresende kam noch ein Spiel auf leisen Sohlen daher. Am 13. Dezember erschien der Indie-Adventure-Plattformer GRIS von Nomada Studio aus Spanien und brachte Farbe in unsere triste Welt. Nun ja, so ist immerhin die Story des Spiels. Wir steuern das Mädchen Gris und versuchen, ihre Welt einzufärben. Das geht aber durchaus anders zu als zum Beispiel in Splatoon. Vor allem sehr viel besinnlicher.

Das ist wohl auch das wichtigste an GRIS: die Atmosphäre. Das minimalistische Sounddesign und der weiche Zeichenstil sind schlichtweg faszinierend und ziehen uns immer weiter in die Welt des Spiels hinein. Wir sind voll bei Gris, wollen mit ihr die Welt in Farbe tauchen und ihr auf ihrem Weg helfen. Und das ganz ohne Todesangst. Denn: Tode gibt es in GRIS nicht. Auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zu all den Shootern, Slashern und Brawlern.

 

Es geht nunmal nicht alles

“Fünf Spiele? Das kann doch nicht sein Ernst sein!” Das oder ähnliches mag euch nun durch den Kopf gehen. Und ihr habt recht. Diese Liste wird bei weitem nicht den vielen Indie-Perlen des Jahres 2018 gerecht. Aber es ist ein Anfang. Es sind die Spiele, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Eine rein subjektive Auswahl eben.

Klar gibt es noch mehr. Frostpunk zum Beispiel. Oder auch Into the Breach. Schonmal von Return of the Obra Dinn gehört? Oder von Celeste? Alle haben sie positive Worte verdient. Aber ich will nicht zu ausschweifend werden. Sowieso gibt es Spiele, die womöglich keiner von uns auf dem Schirm hat. Vielleicht finden wir die erst im nächsten Jahr. Doch da sind sie sicherlich nicht ohne Konkurrenz. Denn auch 2019 wird auf jeden Fall einige Indie-Hits parat haben.


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Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.

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