Thronebreaker: The Witcher Tales – RPG mit Karten

Thronebreaker: The Witcher Tales versucht, Rollen- und Kartenspiel zu verbinden. Funktioniert das? Von Louis Oelmann

Trading Card Games wie Yu-Gi-Oh!, Pokémon oder Magic: The Gathering sammeln schon seit den 90ern ihre Anhänger um sich. Seit einigen Jahren finden sich diese Spiele auch auf dem Bildschirm wieder. Einige Giganten der Videospielindustrie haben das Potenzial in virtuellen Sammelkartenspielen gesehen und ihre eigenen Versionen gestartet. Da gibt es Hearthstone von Blizzard, The Elder Scrolls: Legends von Bethesda und am 28. November erscheint das Dota-Kartenspiel Artifact von Valve.

Für uns wird jetzt aber ein weiteres Spiel wichtig: The Witcher 3. Naja, eigentlich ein Spiel, dass aus The Witcher 3 hervorging. Genau, die Rede ist vom Kartenspiel Gwent, das auf der E3 2016 angekündigt wurde und sich seit Mai 2017 in der Open Beta befindet. Obwohl das Spiel noch nicht offiziell releast ist, hat es bereits seinen fixen Platz  im TCG-Bereich und kann auch seine eigenen eSport-Events vorweisen. Am 23. Oktober 2018 kam mit Thronebreaker: The Witcher Tales die Einzelspieler-Variante von Gwent, die die Aspekte von Rollenspiel und Kartenspiel unter einen Hut bringen will.

Karten statt Schwert

Thronebreaker erzählt die Geschichte von Meve, Königin der Reiche Rivien und Lyrien. Bis dato kam Meve noch in keinem Spiel vor, sie ist Leserinnen und Lesern aber aus der Buchvorlage des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski bekannt. Wir bewegen sie per Mausklick durch die frei erkundbare Welt. Ziel ist es, das Königreich gegen das feindliche Kaiserreich Nilfgaard zu verteidigen.

Die Kämpfe finden dabei aber nicht auf mittelalterliche Weise mit Schwert und Schild statt, sondern wie bei Gwent mit Karten. Dabei geht es aber nicht darum, die gegnerischen Karten zu zerstören oder jemandes Lebenspunkte auf null zu bringen. Stattdessen ist die Gwent-Mechanik ein reines digitales Wettrüsten. Jede Karte hat einen Stärkewert. Wer am Ende einer Runde die meisten Punkte hat, gewinnt diese Runde. Insgesamt sind zwei Erfolge pro Kampf für den Gesamtsieg notwendig.

Zeigt den Gegnern am Kartentisch, wer der Boss ist.

Die Stärke der Karten ist aber nicht alles. Hinzu kommen noch besondere Effekte, die beispielsweise gegnerische Karten schwächen, die eigenen verbessern oder Karten vom Friedhof oder aus dem Deck auf das Spielfeld bringen. Es kommt auf die Art und Weise an, wie man einzelne Fähigkeiten miteinander verbindet. Strategie ist das A und O.

Rätseln, raten, Heldentaten

Die klassischen Gwent-Kämpfe sind nicht alles in Thronebreaker. Ansonsten könnte man ja auch einfach Gwent spielen. Stattdessen bietet Thronebreaker Abwechslung durch  Puzzle-Kämpfe. Die gehen nur über eine Runde und sind mit einem vorgegebenen Deck zu bestreiten. Gerade diese kleinen Rätsel haben es mir tatsächlich angetan. Immer und immer wieder überlegt man, in welcher Reihenfolge die Karten auszuspielen sind. Hat man es dann endlich herausgefunden, ist der Sieg umso schöner. Auch wenn man sich bei Gegnern wie einem Haufen Steine manchmal ein bisschen blöd vorkommt.

Jeder Gegner ist natürlich sorgsam in die Story eingebaut. Die erwähnten Steine sind zum Beispiel ein Steinschlag, den es abzuwenden gilt. Andernorts kämpft man gegen eine Diebesbande oder muss sogar einen Drachen bezwingen. Als Belohnung bekommt man Ressourcen, die man nutzt, um sein Deck aufzubessern und neue Fähigkeiten für Meve freizuschalten.

Die Ressourcen Gold, Holz und Rekruten lassen sich darüber hinaus auch über die ganze Weltkarte verstreut finden. Hin und wieder entdeckt man sogar goldene Truhen, die exklusive Karten für Gwent enthalten. Ein Grund mehr, die sogenannten Nördlichen Königreiche bis ins Detail zu erkunden.

Das Dorf ist hin, aber hey… Loot!

Sind die Puzzle-Kämpfe interessant und herausfordernd, kann das Umherstreifen in der Spielwelt teilweise auch sehr öde sein. Kleine Storyfetzen außerhalb der Kartenkämpfe und nette Gimmicks in der Spielwelt tun aber ihr bestes, um nicht allzuviel Langeweile aufkommen zu lassen. Darüber hinaus hält sich die Zeit, in der wenig passiert, bei rund 20 bis 30 Stunden Spielzeit vergleichsweise in Grenzen.

Mehr als ein Storymodus?

Insgesamt ist Thronebreaker: The Witcher Tales ein netter Zeitvertreib für zwischendurch. Wer sich Action und Spannung erwartet, der sollte lieber bei The Witcher bleiben. Lore-Fanatiker und Kartenspiel-Liebhaber werden in Thronebreaker aber sicherlich auf ihre Kosten kommen und einige schöne Stunden mit Meve und ihren Gefährten verbringen.

CD Projekt Red schafft es, klassische Rollenspiele und die Welt der Kartenspiele zusammenzuführen und zu einem funktionierenden Ganzen zu verbinden. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob das Konzept auch in größerem Maße, also über hunderte Stunden wie bei The Witcher, funktionieren würde. Für das, was Thronebreaker ist, eine Art Story-Modus für Gwent, macht es aber vieles richtig und braucht sich in der Welt der TCGs nicht zu verstecken.

[Anm.: Screaming Pixel hat die Kopie des Spiels von CD Projekt Red zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat sich in keiner Weise auf unsere Berichterstattung ausgewirkt. Wir sagen es euch trotzdem.]


Bildmaterial © CD Projekt Red

Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.

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