Schrödingers Katze: Der Held des Partikelzoos

Wenn Spieleentwickler mit Physikbasiskenntnissen einen Puzzle-Plattformer programmieren, dann kann dabei nur ein klangvoller Name wie „Schrödinger’s Cat and the Raiders of the lost Quark“ entstehen.

Durch einen fatalen Unfall sind irgendwo in der Galaxie, im Partikelzoo, die Teilchen entkommen. Unter ihnen auch das besonders gefährliche „Strange Quark“. Ein Superheld muss her, und das schnell. An wen wendet man sich, wenn es um eine Katastrophe der Quantenmechanik geht? Natürlich an Schrödingers Cat.

Phsyictastic!

Schrödinger’s Cat and the Raiders of the lost Quark ist ein bunter, witziger Puzzle-Plattformer. Italic Pig versucht mit dem Spiel Physik und Jump‘n’Run zu vereinen. Viel Story findet man nicht, dafür umso mehr Anspielungen auf bekannte Physiker, naturwissenschaftliche Theorien und allseits die bekannten schlechten Physikerwitze.

Schon die Tatsache, dass der Protagonist Schrödingers Katze ist, nützen die Entwickler zu ihrem Vorteil. Am Sterbebildschirm sieht man „Schrödinger’s Cat is dead“, nur um dann kurze Zeit später „Schrödinger’s Cat is alive“ zu lesen.

Schrödingers Katze kämpft sich durch den Quantenzoo.

Schrödingers Katze kämpft sich durch den Quantenzoo.

Die Dialoge mit den Zoowärtern, denen Schrödingers Cat aushilft, sind gelungen. Eine Ansammlung an Nerd-Witzen, die immer mal wieder ins völlig Chaotische abdriften. Wenn man in Physik in der Schule aufgepasst hat, hat man an den absurden Konversationen definitiv Spaß.

Chaos zum Frühstück

Schrödinger’s Cat funktioniert mit seinen Onelinern gut als Protagonist. So sagt er zum Beispiel „I eat chaos for breakfast“, was lustig ist, wenn man die physikalische Definition von Chaos im Hinterkopf behält und diese in Zusammenhang mit dem Higgs-Boson, das auch ausgebrochen ist, sieht. ¹

Auch amüsant ist, dass die Katze nicht versteht, warum die Zoowärter so ein großes Problem mit dem Wort „strange“ haben. Jedes mal wenn Schrödinger’s Cat erwähnt, dass etwas „strange“ ist, fragen die NPCs erschrocken nach, wie „strange“ es ist. „Just normal strange, or really strange“.

Chaos zum Frühstück.

Chaos zum Frühstück.

Was das Spiel, abgesehen von dem stumpfen Wortwitz, den man eben mag oder nicht, durchaus spielenswert macht, ist die Puzzlemechanik. Man sammelt im Laufe des Spiel unterschiedliche Quarks. Diese können kombiniert werden, um die Jump’n’RunParts zu meistern.

The lost Quarks

Vier verschiedene Arten von Quarks kann man sammeln und zu Dreiergruppen kombinieren. Gelbe Up-Quarks bringen die Katze zum schweben, blaue Down-Quarks zerstören den Boden unter den Füßen, grüne Top-Quarks dienen als Schutzschild und rote Bottom-Quarks erschaffen Plattformen.

Anfangs noch sehr simpel, muss man sich im Laufe des Spiels immer neue Kombinationsmöglichkeiten einfallen lassen, um Hindernisse zu überwinden. Will man zum Beispiel eine fliegende Plattform mit einem Schutzschild, kombiniert man Up-Top-Bottom Quarks.

Die kleinen Quarks helfen bei der Mission.

Die kleinen Quarks helfen bei der Mission.

Die Entwickler lassen dabei das Physikerherz höher schlagen. Das Schöne an diesen Quark-Kombinationen ist, dass sie sich nicht nur in der Welt von Schrödinger’s Cat, sondern auch in unserer Welt Quarks verbinden. Diese werden dann zu Hadronen, also Elementarteilchen. Je nachdem wie sie sich verbinden, werden sie dann zum Beispiel zu Protonen oder Neutronen.

Mit Hilfe dieser Quark-Kombinationen kann man die entwischten Partikel wieder einfangen. Hierbei wird das Spiel leider sehr repetitiv. Die immer wieder neuen Kombinationen, um zu gewissen Partikeln zu gelangen, gleichen das ewige Einsammeln zwar aus, machen es auf Dauer aber nicht wett.

Dead or alive

Das ist die Frage, die man sich bei „Schrödingers Cat and the Raiders of the Lost Quark“ oftmals stellt. Der Puzzle-Plattformer überzeugt zwar durch den sehr gelungenen Humor und die schöne Idee der Quark-Kombinationen, lässt bei Leveldesign und Abwechslung aber viel Potential liegen.

Wer Spaß an Physikwitzen und kurzweiligen Plattformen hat, der kann beherzt zu Schrödingers Cat greifen. Wer aber eine spannende Story im Quantenmechanik-Universum erwartet, wird enttäuscht werden.


¹ Ja wir wissen, dass es wahnsinnig unlustig ist, Witze zu erklären.

Bebilderung: ©Italic Pig

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