HellSign – Auf Early Access-Dämonenjagd

Düstere Stimmung, übernatürliche Kräfte hinter jeder Ecke. HellSign könnte ein Geheimtipp werden, hat aber noch einen weiten Weg aus dem Early Access. Von Clemens Istel

Seit gefühlt drei Jahrhunderten verzaubern uns Serien wie Buffy, Charmed oder Supernatural im TV. Ihre Geschichten vereint stets eine übernatürliche Bedrohung und der mittlerweile stereotype sanfte Gruselflair. Aber selbst die düstersten Herrenhäuser und staubigsten Dachböden können die coolen Heldinnen und Helden nicht vom Kampf gegen die Dämonen abhalten. Genau diesen Stil greift HellSign auf.

Das australische Studio Ballistic Interactive lässt uns selbst in die Schuhe eines Dämonenjägers schlüpfen. Die Ambitionen sind groß, auch wenn das Spiel derzeit nur in einer frühen Early Access-Variante spielbar ist. HellSign ist dabei nach Angaben der Entwickler ein investigatives Action-RPG, das vielseitige Gameplay-Aspekte bietet.

Die Story

Zu Beginn der Geschichte erwachen wir nach einem schrecklichen Albtraum ohne Erinnerung, dafür mit einem gigantischen Tattoo über den gesamten Rücken. Das Telefon klingelt. Ein Fremder will wissen, ob wir der bestellte Scout sind und gibt uns eine Adresse, an der wir aufkreuzen sollen. Eine handvoll Schmerztabletten als Frühstück später fassen wir den Entschluss, dass ein mysteriöser Auftrag eines Wildfremden allemal spannender als die eigene Bruchbude ist. Statt gerenderten Zwischensequenzen setzt HellSign auf Comicstrips. Ähnlich wie in Max Payne, allerdings deutlich bunter und brutaler.

Optisch kann HellSign jedenfalls schon überzeugen

Optisch kann HellSign jedenfalls schon überzeugen

Bei der Location angekommen, treffen wir auf Banjo. Ein junger Hunter und der erste Grund, warum das Spiel wohl keine Jugendfreigabe erhalten wird. Selbst die antiautoritärste Oma hätte diesem Lausbuben regelmäßig den Mund mit Seife ausgewaschen. Generell finden wir seine Biographie unter “G” wie “Gegenteil von sympathisch”. Dummerweise kennen wir uns aber nicht einmal selbst und müssen deshalb mit ihm zusammenarbeiten – in der Hoffnung auf Hinweise zu unserem Zustand. Nach dem ersten Auftrag führt er uns tatsächlich in eine Bar, in der wir nach Antworten suchen können.

Sherlock Holmes meets Ghostbusters

Das Gameplay von HellSign erscheint auf den ersten Blick umfangreich. Zunächst wählen wir unseren Charakter aus verschiedenen Klassen. In gewohnter Rollenspielmanier hat jede davon gewisse Expertisen. Die eine nutzt Heilmittel besonders intensiv, die nächste weiß sich geschickt mit Schrotflinten zu verteidigen und eine dritte verwendet die Detektivwerkzeuge besser als der Rest.


All diese Komponenten brauchen wir in Quests. HellSign spielt in einer australischen Großstadt, in der die Zahl übernatürlicher Aktivitäten massiv angestiegen ist. Zwei Gruppen nehmen sich ihnen an: Zum einen gibt es sogenannte Scouts wie uns, die nach Zeichen von übernatürlichen Aktivitäten oder Monstern suchen. Außerdem existiert noch die Gruppe der Hunter, die den aufgestöberten Viechern und Geistern dann den Garaus machen.

In dieser zwielichtigen Bar erwarten uns in HellSign ebenso zwielichtige Gestalten

In dieser zwielichtigen Bar erwarten uns in HellSign ebenso zwielichtige Gestalten

Drei zentrale Orte dienen zunächst als Ausgangspunkt für Quests. Unsere Wohnung bietet einen Schreibtisch, um nach gewonnener Erfahrung Skills zu lernen. Außerdem haben wir eine Werkbank, an der wir Ausrüstung und Waffen craften können – Rezept und Materialien vorausgesetzt.

Zusätzlich können wir unsere Ausrüstung verwalten und auch bis zu drei Sets davon speichern, zwischen denen wir dann vor Aufträgen schnell wechseln dürfen. Neben Kleidung und Waffen besitzen wir auch Fallen und diverse Gegenstände zur Untersuchung der Tatorte, zu denen uns die Quests führen.

Diese erhalten wir entweder direkt von Questgebern in der Bar, dem zweiten zentralen Ort des Geschehens, oder wir wählen direkt eine Location auf der Stadtkarte als Aufgabe aus. So gelangen wir auch in den Shop, der naturgemäß allerhand Equipment gegen Bargeld bietet.

No risk, no reward

Der einfachste Aufgabentyp nennt sich “Forensics” und kombiniert Spurensicherung mit Kammerjägerei. Quests laufen grundsätzlich sehr ähnlich ab. Wir erscheinen mit unserem Van an einem Tatort. Der liegt immer in einem logischerweise verlassenen Haus, das abgesehen von der Raumaufteilung auch immer vom gleichen Architekten entworfen wurde.

Dort angekommen zücken wir Waffe und Taschenlampe und untersuchen die Örtlichkeit nach übriggebliebenen Monstern. Wir steuern den Protagonisten dabei aus einer isometrischen Sicht via WASD und zielen mit der Maus. Sind alle überdimensionierten Krabbler erledigt, können wir in Ruhe nach Spuren derselben und anderen übernatürlichen Zeichen suchen. In schwierigeren Missionen warten selbstverständlich noch anspruchsvollere Gegnertypen wie Ghoule oder Poltergeister.

Dabei helfen uns eine Art Geigerzähler, eine Schwarzlichtlampe und ein Richtmikrofon. Letzteres kommt erst im zweiten Missionstyp “Scouting” zum Einsatz. Die gefundenen Zeichen können wir vor Ort dazu nutzen, um uns kleine Boni gegen dazugehörige Gegnertypen zu sichern. Außerdem erfordert “Scouting”, Zeichen mit unserem Journal abzugleichen, um Geister zu identifizieren. In bestimmten Aufträgen lassen sich diese Gegner dann auch gezielt mit den Zeichen hervorlocken. Abseits der Quests dienen sie zum Craften oder lassen sich für schnelles Geld verkaufen.

 

Was auf den ersten Blick so einfach klingt, entpuppt sich als knifflig. Das Kampfsystem ist zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig. Sechs Schuss mit einer schwachen Waffe reichen oft nicht für einen Gegner. Vor allem, wenn wir ihn nicht treffen. Zwar können wir per Knopfdruck ausweichen, aber schon im zweitschwierigsten Missionstyp warten in manchen Räumen bis zu drei Gegner gleichzeitig. Und Ausweichen bricht das Nachladen konsequent ab.

Zudem sind die Gegnertypen selbst bei bestmöglichem Equipment immer eine Spur stärker, als es angenehm wäre. Das Spiel bleibt so eine ständige Herausforderung. Es braucht aber entweder sehr viel Geduld oder eine Portion Grind, bis man zumindest brauchbares Equipment freigespielt hat, mit dem man sich überhaupt erst an die nächste Aufgabe trauen darf.

Ausblick

HellSign lebt klar vom gruseligen Flair der Questlocations. Gunplay und Detektivarbeit machen grundsätzlich Spaß, laufen aber Gefahr, repetitiv zu werden, wenn wir auf das nächste Ausrüstungsteil hinarbeiten. Die Geschichte ist in dieser frühen Phase noch nicht allzu komplex, deutet aber schon an, dass hinter den Ereignissen mehr stecken könnte.

Es wird spannend, wie das Spiel auf längere Zeit fesseln will. Atmosphäre und Sounddesign bringen ihren Anteil. Balancing und Storytelling haben derzeit noch Luft nach oben, wenngleich die Comicstrips schon ein Lichtblick sind. Wem die aktuell 14,99€ auf Steam nicht zu viel sind, der kann ruhig einen Blick riskieren oder zumindest die Entwicklung verfolgen.

[Anm.: Screaming Pixel hat die Kopie des Spiels von Sony zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat sich in keiner Weise auf unsere Berichterstattung ausgewirkt. Wir sagen es euch trotzdem.]


Bildmaterial © Ballistic Entertainment

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Autor/Autorin

Clemens Istel

Schon als Kind hatte Clemens lieber den MegaDrive Controller als das Fläschchen in der Hand. Rund ein Vierteljahrhundert macht er bereits virtuelle Welten unsicher. Ob RPG oder FPS, kaum ein Genre ist vor ihm sicher. Selbst im ESport hat der "Head of Head off" von Screaming Pixel seine Erfahrungen gesammelt. Grundsätzlich gilt für ihn: Je openworlder, desto zock!

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