Harry Potter Hogwarts Mystery oder: Wie man eine gute Idee ruiniert

Harry Potter Hogwarts Mystery hatte Potential. Ja, hatte. Und das sind auch schon die einzigen positiven Worte, die ich für das Mobile-Game von Portkey Games übrig habe. Von Ana Lagger.

Der Hype war groß. Die Vorfreude beinahe nicht mehr auszuhalten. Am 25. April war es dann endlich soweit und ich konnte einen ersten Blick auf meine ganz eigene fiktive Reise nach Hogwarts werfen. Leider musste ich schnell feststellen, dass diese Geschichte so gar nicht „meine“ Geschichte sein wird.

Verpasste Chancen

Als ich meinen Brief endlich erhalten hatte, machte ich mich also auf den Weg in die Winkelgasse, um meine Einkäufe für mein erstes Jahr in Hogwarts zu tätigen. Zuerst ein paar Bücher, dann der Weg zu Ollivander, wo der Zauberstab seinen Besitzer findet. Wie sehr habe ich mich darauf gefreut. Ich habe mir erwartet, dass ich ein paar Fragen gestellt bekomme, um den richtigen Zauberstab für mich zu finden.

Naja, es war im Endeffekt eine Frage. Schon eine kleine Enttäuschung, wenn man bedenkt, von wie vielen Faktoren die Wahl des richtigen Zauberstabs eigentlich abhängt. Macht nichts, habe ich mir gedacht, dann freue ich mich halt darauf, in welches Haus ich sortiert werde. (NATÜRLICH würde es Slytherin werden). Als ich dann den sprechenden Hut auf meinem Kopf hatte, die nächste Enttäuschung: Ich konnte mir mein Haus aussuchen.

Ein Blick auf den Slytherin Gemeinschaftsraum und die eintönige Spielmechanik.

Ein Blick auf den Slytherin Gemeinschaftsraum und die eintönige Spielmechanik.

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich habe mit das etwas anders vorgestellt. Vielleicht waren meine Erwartungen auf Grund sämtlicher Pottermore-Tests zu hoch, aber man hätte diese, oder ähnliche Tests, doch sicherlich in das Spiel einbauen können. Sie hätten auch nicht so umfangreich sein müssen, aber ein bisschen das Gefühl zu haben, dass man aufgrund seiner Persönlichkeit und nicht seiner persönlichen Präferenzen einem Haus zugewiesen wird, wäre schön gewesen.

Lineare Story

Trotzdem hatte ich noch die Hoffnung, dass wenigstens die Geschichte mitreißend sein würde. Ich hatte mir das so vorgestellt, dass man wegen seinem Haus und seiner Persönlichkeit eine leicht abgeänderte Geschichte spielen würde. Ich habe mir keinen komplexen interaktiven Film á la Heavy Rain oder Life is Strange erwartet. Es ist ja immer noch ein Mobile-Game. Trotzdem war ich nicht begeistert von den eigentlich gar nicht vorhandenen Wahlmöglichkeiten.

Ich für meinen Teil sehe mich als Vorzeige-Slytherin. Ich wäre gut in Zaubertränke. Ich würde mich nicht mit Gryffindors anfreunden. Das komplette Paket. Was bekomme ich? Das genaue Gegenteil. Ich verliere Hauspunkte, weil ich mich am Schulgelände duelliere (was ich nie machen würde), versage in meinem Lieblingsfach und habe eine beste Freundin, die ich mir nie im Leben als solche aussuchen würde. Sorry Rowan.

Hier durchlebe ich ein Abenteuer, welches ich mir nie ausgesucht hätte.

Hier durchlebe ich ein Abenteuer, welches ich mir nie ausgesucht hätte.

Und als ich dann mit Freunden gesprochen habe, bestätigte sich mir, dass sie genau dieselbe Story spielen. Keine Änderungen, kein gar nichts. Danke, Portkey Games. Zitat Flo: „So eine Verschwendung einer genialen IP“. Und dem kann ich nur zustimmen.

Langweiliges Spielprinzip

Diese ganzen Mankos könnten ja noch verziehen werden. Man könnte ja mit der Einstellung an das Ganze gehen, dass man einfach eine weitere Geschichte aus dem Harry Potter Universum erzählt bekommt. Dafür müssten die Spielmechaniken aber Spaß machen. Aber Überraschung: Tun sie nicht!

Mal abgesehen von den übertrieben langen Wartezeiten um wieder eine volle Energieleiste zu haben, kann das Spiel auch sonst nicht viel bieten. Zaubersprüche und Tränke erlernt man durch monotones Bildschirmdrücken und in den Gesprächen ist sofort ersichtlich, welche Antwort die Richtige ist.

Über die Wartezeiten rege ich mich persönlich weniger auf, als das viele andere tun. Natürlich wird damit versucht, die Spieler dazu zu bringen, sich weitere Energie für Echtgeld zu kaufen, aber das ist ja nichts Neues bei dieser Art von Spielen. Damit habe ich zumindest gerechnet, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Warum man an dieser Stelle aber nicht gleich einen vernünftigen Premium-Titel aus dem Spiel gemacht hat, ist fraglich.

Diese Meldung erscheint gefühlt alle 3 Minuten.

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Die Duelle, die man sich hin und wieder mit anderen Schülern liefert, sind zumindest etwas unterhaltender. Durch eine Runde Schere, Stein, Papier wird entschieden, wer angreifen darf. Die erlernten Zauber und Tränke können dann im Duell angewendet werden.

Der einzige Pluspunkt, den ich hier sehe, ist das Design. Schöne Grafik und Umweltgestaltung. Nur leider macht das ein Spiel noch lange nicht gut. Wer also gehofft hat, seine eigene Geschichte in Hogwarts durchleben zu dürfen, der wird von Harry Potter Hogwarts Mystery enttäuscht werden.


Bebilderung: ©Portkey Games

Autor/Autorin

Ana Lagger

Ana ist der Moodmaker von Screaming Pixel. (Naja, zumindest wenn es um negative Stimmung geht). Ihr Spiritanimal ist eine Mischung aus Sadness (Inside Out) und Scar. Dementsprechend ist auch ihr Geschmack. Spiele? Je depressiver, desto besser. Meistens spielt und schreibt sie über storylastige Indiegames.

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