Gebt Mobile-Games eine Chance

Jeder kennt sie. Viele spielen sie. Einige hassen sie. Mobile-Games haben vor allem in der Gaming-Szene einen schweren Stand. Dabei bestehen sie nicht nur aus Werbung und Geldfressern. Von Louis Oelmann.

Woran denkt ihr, wenn man euch nach Mobile-Games fragt? Candy Crush? Angry Birds? Oder doch Doodle Jump, das nächstes Jahr schon seinen zehnten Geburtstag feiert? Wenn ja, dann seid ihr nur einige unter vielen, die so denken. Kein Wunder. Das sind nunmal die Spiele, die Millionen von Downloads vorweisen. Doch was populär ist, muss nicht gleich stellvertretend für die ganze Kategorie Mobile-Games sein.

Handy-Spiele werden, wenn überhaupt, nur als zweitrangige Games angesehen. Sie sind kleine Happen für zwischendurch, erfordern meist nur wenig Skill und jeder kann sie spielen, sofern er ein technisch dazu fähiges Mobilgerät besitzt. Vielen reicht das nicht, um sie als ausgewachsene Games zu bezeichnen. Aber warum?

Finger weg von meinem Gaming

Gaming ist für viele mehr als nur ein Hobby. Es ist eine Leidenschaft. Schön, wenn es dann Leute gibt, die diese Leidenschaft teilen. Das gemeinsame Interesse an Games schafft Freundschaften, bildet Questgruppen und ist Grundstein für ganze Communities.

Bei denen eben nicht jeder dabei sein darf.

Naja, im Grunde ja schon. Aber es ist doch auch nicht jeder gleich Fußballfan, wenn er sich die WM-Spiele der eigenen Nationalmannschaft anschaut und sonst nichts. Genau diese Einstellung ist ein Problem für Mobile-Games. Ein installiertes Candy Crush qualifiziert noch nicht zum Gamer. So weit, so gut. Doch man sollte das Potential von Mobile-Games nicht unterschätzen.

Kompetitiv und mobil

Das rundenbasierte Strategie-MMO Summoners War von Com2uS hat beispielsweise schon erste Schritte in Richtung E-Sport gemacht. Vor allem die Live World Arena steht hier im Mittelpunkt. Die Steuerung per Smartphone macht die Kämpfe jedenfalls nicht weniger spannend, als mit dem Controller. Summoners War ist mittlerweile auch auf großen Events wie der Gamescom mit einem eigenen Stand vertreten.

Die Live World Arena in Summoners War hat E-Sport-Potential. © Com2us

Auch im MOBA-Bereich gibt es mehr als nur eine Mobile-Variante. Eines der bekannteren ist wohl Vainglory von Super Evil Megacorp. Das 2014 für iOS bzw. 2015 für Android erschienene Spiel steht seinen PC-Counterparts Dota und League of Legends in nichts nach und darf sich seit 2016 seiner eigenen WM rühmen. Wieder einziger Unterschied: Die Steuerung per Touchscreen. Kein Grund, es nicht als “richtiges Game” zu bezeichnen. Oder?

Neue Möglichkeiten

Der angesprochene Touchscreen ist nur eine Möglichkeit, die Mobile-Games mit sich bringen. Wie krass war es bitte, als man bei Doodle Jump seinen Charakter durch Neigen des Smartphones bewegen konnte? Und die Einbindung der Kamera in Spielen wie Pokémon GO war ebenfalls etwas ganz Neues. Okay, wir wollen dabei natürlich nicht EyeToy: Play unerwähnt lassen. Aber ihr versteht doch, worauf ich hinaus will?

Neben den verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten bietet auch das Smartphone an sich neue Ansätze für Spiele. The Parallax kommt zum Beispiel als interaktive Geschichte in Gestalt eines Instant Messengers daher. Mit Computer oder Konsole würde das Spiel wohl nicht so gut funktionieren.

Denselben Ansatz nutzt Bury Me, My Love von Playdius Entertainment. In dem Spiel schlüpfen wir in die Rolle des Syrers Majd, der per Textmessenger in Kontakt zu seiner Frau Nour steht. Diese wiederum hat sich auf den Weg in Richtung Europa gemacht. Durch Kurznachrichten, Bilder und Emojis verfolgen wir die Geschichte und erlangen somit einen Einblick in das heikle Thema der Flüchtlingskrise. Mobile-Games können also durchaus auch ernste Themen behandeln.

Wo gehört der Instant Messenger hin? Na klar: aufs Handy. © Playdius Entertainment

Gleiches Spiel, neue Hülle

Bei all der E-Sport-Tauglichkeit und den vielen neuen Möglichkeiten dürfen wir aber auch eine wichtige Sache nicht vergessen: Ports. Ja, ihr habt richtig verstanden. Spiele, die einfach nochmal neu für mobile Endgeräte aufgelegt wurden. Was wollt ihr jetzt tun? Ist ein Thimbleweed Park schlechter, wenn man es am Smartphone spielt? Darf ein mobiles Bridge Constructor Portal sich nicht mehr als Game bezeichnen? Ist jemand, der in Evoland die komplette Videospielgeschichte durchlebt, kein Gamer, weil er es im Bus getan hat?

Die Antwort sollte eindeutig sein.

Mobile-Adaptionen können aber auch anders aussehen. Fallout Shelter brachte beispielsweise das Erfolgsrezept Fallout auf die Smartphones. Millionen an Downloads haben sogar dazu geführt, dass das Spiel auch für Steam und Konsolen verfügbar ist. Fallout Shelter ist aber nicht erst durch diesen Schritt zu einem richtigen Spiel geworden.

Vom Smartphone auf die großen Bildschirme. Die Gamingwelt steht Kopf. © Bethesda

Bei all den guten Dingen will ich Mobile-Games aber nicht auf eine Stufe mit den “richtigen Games” stellen. Natürlich geht bei der Grafik was verloren. Und auch das Gameplay ist meist nicht so präzise wie am PC oder an der Konsole. Das macht sie aber nicht unbedingt schlechter. Ein Animal Crossing: Pocket Camp ist logischerweise kein God of War. Es ist einfach anders. Mobile-Games sind einfach anders.

Und trotzdem sind sie Games. Verdammt sie nicht pauschal, sondern lasst euch auf die vielen, neuen Möglichkeiten ein, die sie mit sich bringen. Trotzdem sollte am Ende nochmal gesagt werden: Nur weil meine Oma Candy Crush spielt, ist sie noch lange keine Gamerin.


Titelbild © Rovio Entertainment

Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.

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