Sport-Games mal anders

50.000 Dollar. Soviel benötigt das dänische Entwicklerteam Triband, um eines der wohl absurdesten Sportspiele in die Tat umzusetzen: Golf für alle, die Golf hassen.

Die wohl bekanntesten Games im Sportbereich legen uns Jahr für Jahr eine neue Version vor, die sich teilweise vom Vorgänger nur durch die Jahreszahl im Titel und geänderte Mannschaftskader unterscheidet. All die FIFAs, Maddens und NBA 2KXXs sind damit zwar finanziell erfolgreich, als besonders kreativ kann man sie aber nicht bezeichnen. Daran ändert auch der Storymodus nichts, der im letzten Jahr Einzug in die Welt der Sportgames hielt.

Es muss also ein neuer Ansatz her. Ein frischer Wind im virtuellen Sport. Die Mitglieder des dänischen Entwicklerteams Triband kamen wohl zum selben Schluss und wollen mit What The Golf? einen Schritt in Richtung Absurdität machen. Beworben als “golf game for people who don’t play golf” wirft das Spiel schon von Beginn an Fragen auf und macht vor allem neugierig: Wie soll denn so ein Spiel bloß aussehen?

“Golf is boring – Help us fix it!”

So lädt Triband uns ein, mit ihnen den Weg zu einer neuen Art Golf zu bestreiten. Wobei man definitiv nicht nur von einer Art Golf sprechen kann. Jedes Loch bietet ein neues Erlebnis. Allein die Demoversion wartet mit so einigen Überraschungen auf und jedes Mal stellt sich wieder die Frage: Womit golfen wir diesmal?

Das eine Mal wird der Schläger zum Ball, ein anderes Mal bekommt der Begriff “Hole-in-one” eine vollkommen neue Bedeutung. Wer ahnt denn bitte, dass man auf einmal das Loch aus dem Boden schlägt und in eine in die Erde gegrabene Eins bugsieren muss? Aber genau diese Überraschungsmentalität macht What the Golf? aus. Jedes Level schubst uns erneut ins kalte Wasser und wir müssen uns das Schwimmen selbst beibringen.  Und trotzdem macht es Spaß.

Zudem sind den Ideen keine Grenzen gesetzt: Fußball wird zu Golf, die Olympischen Spiele werden zu Golf und auch andere Games werden zu Golf. So versuchte Triband sich auch am chaotischen Indie-Plattformer Clustertruck, der nebenbei erwähnt noch diesen Monat für die Nintendo Switch erscheint. Das Ergebnis lässt sich sehen.

Normal kann ja jeder

Triband ist bei Weitem nicht der erste Entwickler, der sich daran macht, Sportarten neu zu erfinden. Am bekanntesten ist hierbei wohl Rocket League von Psyonix. Eine Mischung aus F1 und FIFA, verfeinert mit einer Prise Raketenantrieb, um sich auch noch in die Lüfte zu erheben. Da kann man wohl definitiv von einem neuen Ansatz reden. Um ganz genau zu sein, muss an dieser Stelle aber noch der Rocket-League-Vorgänger Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars erwähnt werden. Selbes Prinzip, aber um einiges schwieriger auszusprechen und vor allem zu merken.

 

Rocket League © Psyonix

Auch der Wintersport ist nicht immer das, was man zunächst denken mag. Speziell geht es um Eishockey. Das allährliche NHL wartet ja nicht gerade mit Überraschungen auf. . Da ist ein Spiel wie Super Blood Hockey doch eine willkommene Abwechslung. Das Indie-Game von Entwickler Loren Lemcke lässt den beliebten Wintersport im Beat-’em-up-Stil wieder aufleben. Und wie der Name bereits verrät, ist das Spiel besonders blutig.

 

Super Blood Hockey © Loren Lemcke

Zu guter letzt noch ein Beispiel, das einigen wohl nur als Browser-Game bekannt ist: das gute, alte Yetisports. Drück dem pelzigen Schneemenschen einen Knüppel in die Hand, wirf ein paar Pinguine eine Klippe herunter und PÄMM: Baseball mal anders. In den weiteren Teilen widmet sich der österreichische Entwickler Chris Hilgert dann auch noch anderen Sportarten. So darf der Yeti sich zum beispiel noch am Darten, Snowboarden und schließlich am Golfen versuchen. Fun Fact: Der Golfschläger ist ein Flamingo.

 

Yetisports © Edelweiss Medienwerkstatt

 

50.000 Dollar und los geht’s!

Mehr als drei Wochen vor Ende der Crowdfunding-Kampagne am 24. März erreichte Triband übrigens schon das Ziel von 50.000 Dollar. Über die Plattform Fig kann man das Projekt nicht nur durch einfache Geldbeiträge unterstützen, für die es je nach Betrag unterschiedliche Belohnungen gibt, sondern man kann sich quasi auch Aktien von What the Golf? kaufen. Für 1000 Dollar pro sogenannter Fig Game Share bekommt man die Möglichkeit, sich Anteile am Spiel zu sichern und somit von dessen möglichen Erfolg zu profitieren.

Noch läuft die Kampagne, doch Triband scheut nicht davor zurück, uns immer weiter mit neuen Levels zu versorgen, die die Wartezeit bis zum offiziellen Release versüßen. Und wenn man sich die verschiedenen Levels anschaut oder den Twitter-Feed der Triband-Crew verfolgt, kann man davon ausgehen, dass es an Ideen nicht mangelt. Wir dürfen uns also auf eine Shitload von Levels freuen. Und auf ein Golf-Spiel für alle, die kein Golf mögen.


Titelbild © Triband

Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.