So gut ist die Story von Horizon Zero Dawn

Wie gut ist die Geschichte von Horizon Zero Dawn? Wir haben sie für euch durchanalysiert:

Die Geschichte von Horizon Zero Dawn ist von allen Seiten besungen worden. Auch wir hatten schon Lobesstimmen zur Story von Aloy hier zu lesen. Aber kann der Titel von Guerilla Games in dieser Hinsicht wirklich so überzeugen, wie alle behaupten? Oder muss man doch an vielen Stellen beide Augen zudrücken?

Kategorisierung

Bevor wir uns mit Qualität seiner Geschichte auseinandersetzen können, lasst uns darauf eingehen, womit wir es bei Horizon Zero Dawn eigentlich zu tun haben. Das Setting mit Maschinentieren und Menschen mit eher primitiven Waffen ist doch nicht so einfach einzuordnen.

Auf den ersten Blick handelt es sich schlicht um eine Science-Fiction-Geschichte. Das erzählt aber nur die halbe Wahrheit. Nehmen wir es ganz genau, haben wir es mit einer post-apokalyptischen Coming-of-Age-Story mit starken Thriller- und Science-Fiction-Einflüssen und einer Prise Dan Brown zu tun. Kein Wunder, dass jeder SciFi dazu sagt.

Aller Anfang

Ab dieser Stelle könnt ihr übrigens mit leichten SPOILERN (!!!) zum Anfang des Spiels rechnen. Der Plot von Horizon Zero Dawn beginnt in Aloys Kindheit oder – noch genauer – wenige Stunden nach ihrer Geburt. Sie wächst außerhalb ihres Stamms auf. Als Outcast. Ihre Eltern lernt Aloy nie kennen. Stattdessen wird sie von ihrem Ziehvater Rost auf das Leben mit und gegen Maschinen vorbereitet.

Alles beginnt bei den Nora.

Dieses Fehlen einer Mutter spielt in HZD eine wichtige Rolle. Im matriarchalischen Stamm der Nora wird Aloy von den Kindern dafür gemobbt und so wird die Suche nach ihrer Mutter zum zentralen Element ihrer Erzählung. So zentral, dass man an manchen Momenten nur die Augen überdrehen kann, weil einem Aloys Gewichtung der Enthüllungen im Laufe des doch recht komplexen Plots ein wenig auf die Nerven gehen kann.

Wenigstens – und dies muss mit Lob in der Stimme ausgedrückt werden – bringt Guerilla Games diesen Aspekt mit einem gewissen Augenzwinkern an den Spieler. So wird Aloy von Sylens nach einer großen Enthüllung mit gewisser Verachtung in der Stimme auf diese Gewichtung aufmerksam gemacht:

“What’s the knowledge of the world compared to one girl’s mother?”

Coming of Age

Aber zurück zum Anfang der Geschichte: Nachdem man als junge Aloy in einem Tutorial die Grundzüge des Kampfs gegen Maschinen erlernt, findet man sehr schnell den Focus. Dieses Stück alter Technologie gibt Aloy Informationen zu den Elementen der Welt und hat uns beim Spielen stark an die Witcher-Senses, das Eagle-Eye oder den Detective-Sense erinnert.

Dieses Gerät wird zu Aloys wichtigstem Werkzeug und hilft ihr in den frühen Stunden des Spiels, einen Jungen vor dem Angriff einiger Maschinen zu retten. Später zeigt es uns außer den Bewegungen von Maschinen auch Feinde und Rätsel-Elemente an.

Maschinen überall…

Nach den ersten Stunden gibt es einen Cut und wir erleben Aloy als junge Frau, die es sich immer noch zum Ziel gemacht hat, ihre eigene Herkunft zu entschlüsseln und – surprise – ihre Mutter zu finden. Gerade am Anfang lassen sich die Coming-of-Age-Elemente dabei besonders stark aus der Geschichte herauslesen und erinnern an Bücher wie Eragon oder Der Goldene Kompass.

In diesem Stadium muss Aloy sich selbst finden und herausfinden, wer sie wirklich ist. Das alles wird durch einen Angriff auf ihr Volk losgetreten, der ihre Leute beinahe ausrottet. Mehr wollen wir – um euch nicht zu spoilern – aber nicht dazu sagen.

Wir ziehen weiter

Im späteren Verlauf gerät dieses Element ein wenig in den Hintergrund. Wie die Suche nach Aloys Mutter wird ihre Beziehung zu sich selbst aber nie ganz zurückgelassen und erst am Ende scheint dieser Selbstfindungstripp mit Maschinen-Kämpfen wirklich abgeschlossen.

Nachdem zunächst die Nora attackiert werden, gerät Aloy recht bald in ein Netz aus Konflikten und Enthüllungen, die – wie sollte es auch anders sein – die ganze Welt zerstören könnten, wenn sie niemand aufhält. Diese ehrenvolle Aufgabe fällt selbstverständlich Aloy zu.

Die werden wir nicht so schnell los…

Im Gegensatz zu vielen anderen Coming-of-Age-Stories, schafft Horizon Zero Dawn es aber, die zentrale Rolle seines Hauptcharakters vernünftig zu belegen. Kurz vor Ende des Spiels erfährt man, dass es tatsächlich niemand anderes als Aloy hätte sein können, die den Untergang der Welt verhindern könnte, weil… Ha! Fast gespoilert!

Alles macht Sinn

Tatsächlich schafft es HZD nicht nur in diesem Fall, eine sinnvolle Erklärung zu liefern, sondern auch in allen anderen Aspekten seiner Welt. Selbst das recht absurde Setting von Maschinen-Tieren, die man mit Bogen und Speer bekämpft, kann das Spiel erklären. Man ertappt sich bei dem Gedanken: “Klar. Anders könnte es gar nicht sein.”

Die Aussicht ist wunderschön.

Das gilt auch für viele andere Aspekte der Geschichte, die im ersten Moment ein wenig komisch wirken. Warum zum Beispiel leben in den Stämmen Menschen mit dunkler und heller Hautfarbe zusammen? Oder warum sprechen alle Menschen in der Spielwelt die gleiche Sprache?

Gleichzeitig gibt es aber auch Teile seiner Welt, die Horizon Zero Dawn in meinen Augen nicht wirklich gut integrieren konnte.

Nicht alles ist top

Das gilt zum Beispiel für die obligatorischen Banditenlager, die man so manches Mal im Laufe der Reise durch die offene Welt findet. Obwohl zwischenzeitlich einmal erklärt wird, wieso diese einen Platz in der Welt verdienen, fühlen sie sich in der Regel ein wenig fehl am Platz an.

Auch die Macht scheint ungleich zwischen den Stämmen der Welt verteilt zu sein. Warum regieren die Carja knapp zwei Drittel der Karte, während sich Nora, Oseram und Banuk mit einem kleinen Rest zufriedengeben müssen? Vor allem weil gerade die Oseram als brillante Kämpfer etabliert werden und die Banuk furchtlose Krieger zu sein scheinen.

Auch die Tatsache, dass Splitter von Maschinen als Währung fungieren, hält einer längeren Betrachtung nicht weiter stand. Müsste deren Wert durch den ständigen Nachschub an Maschinen, den die Welt bietet, nicht sehr bald schrumpfen?

Manches bringt frischen Wind

Andere Aspekte der Welt bringen wieder überraschend frischen Wind. Die ebenfalls obligatorischen Türme, auf die man seit Assassin’s Creed 1 überall klettern darf, sind in HZD dadurch, dass sie als herumwandelnde Maschinen gestaltet sind, wunderbar integriert. Die Tatsache, dass man quasi auf einen Dino klettert, gibt dem Ganzen ein ganz neues Feeling.

Auch die Jagd nach Tieren, die in vielen Titeln als nette Nebenaufgabe verkauft wird und dabei meist recht stiefmütterlich behandelt wird, bekommt in Horizon Zero Dawn einen neuen Twist. Schon allein dadurch, dass sie zum zentralen Aspekt des Spiels wird. Wer nicht jagt, bekommt keine Bauteile und hat ergo keine Munition, kein Geld und auch sonst nichts.

Man entwickelt irgendwann einen Hass gegen diese Dinger.

Die Jagd nach Maschinen wird durch eine recht große Auswahl an Feinden – insgesamt 26 Maschinentypen – mit eigenen Stärken und Schwächen auch nie langweilig. Sie ist schnell und erfordert auch beim hundertsten Mal noch die volle Aufmerksamkeit des Spielers. Die Bauweise und die verschiedenen Angriffe – eine Sturzflug-Attacke der Glinthawks oder der Schlag mit dem Schwanz der Snapmaws – der Maschinen sind dabei so gewählt, dass auch hier wieder der Gedanke aufkommt: “Natürlich. Wie sonst?!”

Schlüssige Geschichte mit Schwächen

Für die Geschichte gilt selbiges. Sie ergibt trotz komplexen Mechanismen und vielen Charakteren einfach Sinn. Die Unzahl an neuen Gesichern ist aber auch die größte Schwäche von HZD:

Man hat bei keinem NPC das Gefühl, er wäre schlecht geschrieben oder würde sich gar out-of-character verhalten. Dadurch, dass man im Laufe der Geschichte so vielen von ihnen begegnet, die eingeführt und dann wieder fallen gelassen werden, hat man aber bei den wenigsten die Möglichkeit sie wirklich kennenzulernen.

Vor allem die Tatsache, dass Aloys Ziehvater Rost nach dem ersten Drittel der Geschichte quasi ignoriert und maximal in Nebensätzen erwähnt wird, tut dabei weh. Ernsthaft Mädel! Scheiß auf deine Mutter und denk zwischendurch mal an ihn!

Die Longnecks kann man nicht töten aber man kann raufklettern © Sony

Aufgrund der recht komplexen Lore hatte Guerilla Games keine andere Wahl, als HZD eine sehr lineare Geschichte zu geben. Das macht durchaus Sinn und würde nicht einmal stören, wenn sich die Holländer nicht dazu entschlossen hätten, einem gleichzeitig so etwas wie Entscheidungsfreiheit vorzugaukeln, die sich aber so gut wie gar nicht auf die Entwicklung der Geschichte auswirkt. Einzig das Bild, das man selbst von Aloy bekommt, verändert sich dadurch.

Fazit

Trotz all dieser Schwächen muss an dieser Stelle angemerkt, dass das hier Kritik auf höchstem Niveau ist. Horizon Zero Dawn ist einer der besten Titel für die Playstation 4. Nicht nur wegen dem flüssigen Gameplay und der stimmigen Geschichte, sondern vor allem wegen Aloy. Selten hat es einen so glaubhaft geschriebenen Frauencharakter in einem Spiel gegeben, der vor allem nicht auf LIEBE reduziert wird. Stattdessen ist sie so badass, dass selbst Mister Torgue staunen würde.

Um also zur Eingangsfrage zurückzukommen: Ja. Das Lob ist gerechtfertigt.


Bebilderung © Sony

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Autor/Autorin

Florian Born

Wenn Florian nicht gerade auf der PS4 RPGs oder Action-Adventures zockt, hackt er Kommentare und grobe Überblicke in die Tastatur. Hin und wieder zynisch. Meistens gespickt mit schlechtem Wortwitz. Bei Screaming Pixel tritt er den anderen in den Hintern, wenn sie ihre Deadlines nicht einhalten.