Gastbeitrag: Warum ich Rennsimulationen zu meinem Neujahrsvorsatz mache

Seit anderthalb Jahren schiebe ich meine Simracing-Karriere vor mir her. 2019 ist damit Schluss – und ich habe ein bisschen Angst davor. Von Mathias Kainz.

Die unangenehme Sache mit Talenten ist ja, dass man sie oft nicht dort hat, wo man sie gerne hätte. Manch einer wäre gerne ein begnadeter Maler, hat aber ‘nur’ ein feines Händchen in der Küche. Ein anderer wäre gerne Skirennläufer, aber so richtig gut ist er nur als Tänzer. Ich selber wäre gerne mal Rennfahrer geworden, aber für mehr als die gelegentliche Runde auf der Kartbahn hat es nie gereicht.

Damit ist jetzt Schluss. Denn mein Neujahrsvorsatz ist, meinen lang gehegten, aber nie ernsthaft verfolgten Traum von der Karriere als Simracer zu verfolgen – also weg von den arcadigen Spielen wie Project CARS und Forza, hin zu knüppelharter, lebensechter Simulation, wo jeder kleine Fehler bestraft wird wie auf einer wirklichen Rennstrecke. Und das macht mir, ehrlich gesagt, ein bisschen Angst – weil ich mich auf eine ganz neue Art mit der Option des Scheiterns konfrontiert sehe.

Prokrastination

Bisher konnte ich mir mit Rennspielen und Rennsimulationen ganz gut einreden, dass ich eh kein so schlechter Fahrer wäre. Zur Not, wenn es mal gar nicht laufen wollte, wurde eben die Traktionskontrolle ein bisschen höher gestellt, oder im schlimmsten Falle die KI ein bisschen runter. Dazu kommt, dass in meinem Gaming-Freundeskreis keine Motorsport-Freaks dabei sind – was die gelegentliche Formel-1-Multiplayer-Runde auf der PS4 ein wenig einseitig macht.

Aber nachdem ich 2018 damit verbracht habe, mir selbst einzureden, für eine Simracing-Karriere fehle mir schlicht die Zeit, reicht es mir langsam mit den Ausreden. Die Zeit findet sich nämlich schon irgendwie – mal abends, mal morgens, je nachdem, was das echte Leben mit seinen Anforderungen (so banale Dinge wie Dienstpläne, Einkaufszeiten und so weiter) eben verlangt.


Deshalb ist 2019 für mich das Jahr, in dem ich meine Simracing-Karriere in iRacing in Angriff nehme. Vielleicht ist 2019 dann auch das Jahr, in dem meine Simracing-Karriere auch wieder endet, wenn ich nämlich merke, dass ich permanent als Letzter die Zielflagge sehe (sofern ich sie denn sehe). Aber dann hätte ich zumindest meine Lektion gelernt und müsste mir nicht vorhalten, ich hätte es nicht wenigstens versucht.

Professionalität

Vielleicht ist es aber auch das Jahr, in dem so richtig was weitergeht. Klar ist nämlich: Wenn ich in iRacing, immerhin die Simulation der Wahl für Superstars wie Formel-1-Pilot Max Verstappen, auch nur einen Blumentopf gewinnen will, dann muss ich auch an mir selbst etwas ändern.

Simracer sind vielleicht keine Top-Athleten wie echte Formel-1-Piloten. Aber dass Dinge wie Fitness, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung auch auf der virtuellen Rennstrecke – insbesondere mit zunehmender Renndauer – eine Rolle spielen, lässt sich nicht abstreiten.

Das mit den Neujahrsvorsätzen ist dann zumindest bei mir immer so eine Sache – man nimmt sich vor, mehr zu trainieren, besser zu essen und so weiter. Spätestens Mitte Februar nimmt man’s dann schon nicht mehr so genau, weil vielleicht die Fortschritte auf sich warten lassen. Darum trickse ich mich selber aus und halte mir meine Fortschritte in iRacing vor die Nase, um mich für den Rest vielleicht ein bisschen besser zu motivieren.

Protokoll

Und weil es meistens weiterhilft, wenn man sich öffentlich unter Druck setzt, verbinde ich meine zaghaften Schritte in die Welt des virtuellen Motorsports mit einem monatlichen Tagebuch, das dann für alle einsehbar meine Fortschritte – und hoffentlich nicht meine Stagnation – festhält.

Es ist mir nämlich ernst mit dem Simracing. Schon allein, weil ich damit so nah an meinen Bubentraum herankomme, einmal Formel-1-Fahrer zu sein, wie es nur geht. Und auch, wenn bei mir das Talent eben nicht reicht, wenn ich vielleicht im März oder April die Reißleine ziehe und den Polygon-Helm an den Nagel hänge, war es hoffentlich zumindest die Reise wert.


Mathias Kainz

Als beim sechsjährigen Mathias der Controller für Colin McRae Rally auf der PS1 in den Händen landete, war der Weg vorgezeichnet. Gut zwei Jahrzehnte später ist er zum Sportjournalisten gereift, die Liebe zum Spiel ist geblieben. Als Hobby-Simracer, Open-World-Fan und Strategie-Amateur probiert er heute noch alles aus, was sich mit Tastatur oder Gamepad spielen lässt.


Titelbild © iRacing

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