Gaming und das große Geld – Macht was draus!

Die Videospielbranche hat 2018 erstmals mehr eingenommen als die Filmindustrie. Das Geld sollte sinnvoll eingesetzt werden. Von Louis Oelmann.

Vorweg: Noch hat die Filmindustrie in der Gesamtwertung sicherlich die Nase vorne. Der Bereich Gaming hat es aber tatsächlich geschafft, sich in den Verkäufen an die Spitze zu setzen. Für Gaming zählen hierbei sowohl Software- als auch Hardwareverkäufe. Hollywood (stellvertretend für die Filmindustrie) zählt vor allem die Kinoeinnahmen, das Box Office.

Trotz eines Rekordwertes von fast 42 Milliarden Dollar hatte Hollywood im letzten Jahr das Nachsehen. Vor allem ansteigende Peripherieverkäufe bescherten der Videospielindustrie satte 43 Milliarden Dollar an Einnahmen. Die eine Milliarde sieht in diesem Vergleich relativ mickrig aus. Aber denkt nochmal nach. Eine f**king Milliarde Dollar. Da kann man schonmal das ein oder andere Red Dead Redemption 2 produzieren.

Entertainment to the Max  

Übrigens zeigt nicht nur der Vergleich der Einnahmen, dass die Videospielbranche sich daran macht, das Medium Film zu überflügeln. Bis vor knapp einem Jahr war das umsatzstärkste Entertainmentmedium stets ein Film. Zuletzt Avatar – Aufbruch nach Pandora mit weltweit knapp 2,8 Milliarden Dollar. Auftritt: GTA V. Im April 2018 ließ Rockstar Games verlauten, dass ihr Vorzeigetitel unglaubliche sechs Milliarden Dollar Umsatz eingebracht hat, Tendenz steigend. Das sind mehr als doppelt so viel wie Avatar.

„Aber halt!“, mag jetzt der ein oder andere Schlaumeier rufen. „Ist da denn auch die Inflation mit einberechnet?“ Und sie haben nicht ganz unrecht. Ältere Filme unterliegen natürlich wirtschaftlichen Veränderungen. Währungen sind heute mehr Wert als damals. Aber auch mit diesem Trick kann sich Hollywood nicht gegen Gaming zur Wehr setzen. Passt man die Zahlen an die Inflation an, steht immer noch GTA V an der Spitze. Den zweiten Platz belegt nun aber Gone With the Wind (dt.: Vom Winde Verweht) aus dem Jahr 1939 mit knapp 3,7 Milliarden Dollar. Schon besser, aber immer noch nicht genug.

Genau so lassen die Leute von Rockstar wohl ihren Blick über die vielen Geldsäcke schweifen. © Rockstar Games

Wer braucht schon Zeit?

Okay, wir haben es verstanden. Mit genügend Zeit (Bei GTA V sind es fünf Jahre gewesen, bei Gone With the Wind sogar 80.) lassen sich beeindruckende Ergebnisse erzielen. Aber wer schafft aus dem Stand am meisten. Immerhin sind es sowohl bei Filmen als auch bei Games die ersten paar Tage, die relativ gesehen das meiste Geld einbringen. Stichwort: Hype. Schauen wir uns also zunächst einmal das Game bzw. den Film an, die 2018 in den ersten drei Tagen nach Release am meisten eingenommen haben.

Auf Gaming-Seite haben wir, Überraschung, Red Dead Redemption 2. Wieder einmal holt sich Rockstar den Titel, diesmal mit etwa 725 Millionen Dollar in den ersten drei Tagen nach Release am 26. Oktober. Damit übertrumpfte man die 640 Millionen Dollar, die Avengers: Infinity War bereits im April vorgelegt hatte. Hier ist der Unterschied nicht ganz so groß.

ABER… Infinity War stellte einen neuen Rekord im Filmbereich auf, übertrumpfte The Fate of the Furious aus dem Vorjahr um 100 Millionen Dollar. RDR2 landete nur auf dem zweiten Platz hinter GTA V. Das wird Rockstar wenig stören, denn nun sind sie doppelt an der Spitze vertreten. GTA V soll in seinen ersten drei Tagen übrigens eine ganze Milliarde Dollar eingespielt haben. Mal schauen, ob Avengers: Endgame im April an diesem Wert kratzen kann.

Ungebremstes Wachstum

Ein weiteres Zeichen für den steilen Aufstieg der Gamingbranche lässt sich auch im eSport finden. Genauer gesagt bei den Preisgeldern. Die schießen mittlerweile in ungeahnte Höhen. 2017 war es noch Valves DotA 2 mit rund 38 Millionen Dollar. Fast zwei Drittel davon wurden bei der DotA-Meisterschaft The International ausgeschüttet.

Mit Fortnite wurden 2018 aber vollkommen neue Maßstäbe gesetzt. Beispielweise erreicht der Battle Royale-Hit im November einen neuen Rekord an gleichzeitig aktiven Spielern. Nämlich über acht Millionen. Um den Spielern etwas zurückzugeben, verkündete Epic Games bereits im Mai, dass man ganze 100 Millionen Dollar an Preisgeldern über das erste kompetitive Jahr verteilen wolle. Ein Großteil davon kommt wohl noch in diesem Jahr. Diese Entwicklung zeugt sowohl von steigendem Interesse im eSport-Bereich, als auch von dem riesigen Geldhaufen, auf dem Fortnite und die ganze Gamingbranche sitzen.

100 Millionen Dollar? Da kämpft man doch gerne bis zum Tod. © Epic Games

Vor allem die Spielerzahlen sind übrigens auch Grund für Netflix, Videospiele als ernstzunehmende Konkurrenz anzusehen. Im Bericht zum vierten Quartal 2018 führt der Streaming-Gigant speziell Fortnite an, das ein größerer Konkurrent als HBO sei. Bei dieser Aussage geht es vorrangig um die Screen Time, also die Zeit, die Konsumenten vor den Bildschirmen verbringen. Auch soziale Medien oder vielleicht E-Reader müssten also in den weiteren Kreis der Konkurrenz von Netflix fallen. Und trotzdem erwähnt Netflix explizit Fortnite. Videospiele scheinen also zur Top-Konkurrenz zu zählen.

Jetzt macht halt was draus

Das Geld ist also da. Gerade riesige Entwickler/Publisher wie Rockstar Games fahren Unmengen an Dollar ein. Speziell Rockstar ist auch unter denen, die das Geld dann zu vielgelobten Games verwandeln. Natürlich sind die verdammt teuer, aber sie bringen auch extrem viel Kohle ein. Wenn man also das Geld hat, warum kann man es dann nicht sinnvoll verwenden? Warum muss uns ein Bethesda ein unfertiges Fallout 76 vor die Füße werfen?

Das liegt womöglich daran, dass einige Entwickler nach der Devise „Jedes Jahr mindestens ein Spiel“ arbeiten. Zu oft kommt dann Schund dabei heraus, der weder den Ansprüchen der Spieler noch denen der Entwickler selbst genügt. Nehmt euch die Zeit. RDR2 kam erst acht Jahre nach dem ersten Teil raus. Und fünf Jahre nach dem letzten Release eines Rockstar-Spiels (GTA V, 2013). Naja, jedenfalls wenn man L.A. Noire: The VR Case Files (2017) außen vor lässt. Nebenbei bemerkt hat auch Nintendo das lang erwartete Metroid Prime 4 nach hinten verschoben, um Qualität zu gewährleisten.

Natürlich kann sich nicht jedes Studio die Zeit nehmen. Vor allem kleine Entwicklungsteams müssen streng haushalten, um überhaupt überleben zu können. Aber die Großen haben das Geld. Sie könnten sich die Zeit nehmen, wenn nicht auch sie dem Druck von Shareholdern ausgesetzt wären. Also nochmal der Aufruf: Games können verdammt viel einbringen. Wenn ihr zu den Glücklichen gehört, macht verdammt nochmal was draus.


Titelbild © Rockstar Games

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Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.

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