Evoland und Co: Videospielgeschichte zum Anfassen

Nicht jeder Gamer kennt die Vergangenheit der Branche. Spiele wie Evoland versuchen, das zu ändern. Von Louis Oelmann.

Wir alle spielen gerne. Die meisten sind einigermaßen aktuell unterwegs und versuchen sich an Titeln der letzten fünf Jahre. Oder zumindest an Spielen, die bis heute unterstützt werden. Ein nicht unbedeutender Teil der Gaming-Community hat sich aber der Vergangenheit verschrieben.

Unter dem Schirmbegriff “Retro” sammeln sich all die Zocker, die lieber nostalgisch an den Anfängen oder zumindest früheren Teilen der Videospielgeschichte hängen. Überschneidungen gibt es natürlich trotzdem.

Letztere Gruppe besteht meist aus den älteren Jahrgängen und die haben gegenüber den Gaming-Jungspunden den Vorteil, dass sie bei vielen alten Spielen von Anfang an dabei waren. Sei es auf dem C64, dem Atari 2600 oder dem Gameboy, der mittlerweile immerhin 29 Jahre auf dem Buckel hat.

Neben den vielen schönen wie schlechten Erinnerungen hat die ältere Generation nun die Vergleichsmöglichkeiten. Aber wie soll der junge Gamer von heute die Gaming-Geschichte erfahren, wenn Konsolen nicht mehr hergestellt, Game-Stores geschlossen und ROM-Seiten verklagt werden?

In neu mach alt

An diesem Punkt hilft die Gaming-Branche sich selbst. Wir haben es doch mit einem wandelbaren und immersiven Medium zu tun. Warum also nicht die eigene Vergangenheit virtuell erlebbar machen? Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung dieses Gedankens ist das Action Adventure/RPG Evoland vom französischen Entwicklerteam Shiro Games. Das 2013 veröffentlichte Spiel zeigt uns die Evolution des Gamings. Nun ja, zumindest einen Teil davon. “Evolution” war übrigens auch das Thema des 24. “Ludum Dare” Game Jam im August 2012. Innerhalb von 30 Stunden entstand die Idee für Evoland samt erster Umsetzung. Nicolas Cannasse, Co-Founder von Shiro Games, erreichte damit den ersten Platz.

Die Idee war simpel: Der Fortschritt im Spiel wird durch Veränderungen an Grafik, Gameplay etc. gezeigt. Wir starten beispielsweise in einer zweifarbigen 2D-Welt. Zunächst können wir uns nur nach rechts bewegen. Dort können wir eine Kiste öffnen, in der wir die Funktion des “Nach-links-Gehens” finden. Auf der anderen Seite wartet noch eine Kiste und BÄMM: 2D Movement. Oben und unten steht nun auch zur Verfügung. So geht das dann weiter.

Neben klassischen Level-Ups zeigt sich der Fortschritt in Evoland auch durch Grafik und Gampleay. © Shiro Games

Wir finden Soundeffekte, Musik, Gegner, mehr Farben und sogar eine Storyline. Am Ende finden wir uns sogar in einer 3D-Welt wieder. Hier und da gibt es darüber hinaus noch Anspielungen auf alte Spiele, beispielsweise aus den Legend of Zelda– und Final Fantasy-Reihen.

Das heute spielbare Game ist natürlich um einiges umfangreicher als die ursprüngliche “Ludum Dare”-Version. 2015 gab es mit Evoland 2 sogar eine Fortsetzung, die noch mehr Inhalt mit sich bringt und vor allem Story-orientierter sein soll.

Mittlerweile gibt es beide Teile auch fürs Smartphone und mit der Legendary Edition erschien zwischen dem 5. und 8. Februar 2019 eine Bundle-Version, die auch Spielern auf PS4, Switch und Xbox One die Chance bietet, in die Welt von Evoland abzutauchen.

Ein Sprung in die Vergangenheit

Einen eher Konsolen-orientierten Ansatz zeigt das 2015 erschienene Life of Pixel bzw. die aufgepeppte Variante Super Life of Pixel von 2018 vom britischen Entwickler Super Icon. In feinster Plattformer-Manier hüpfen wir durch die Videospielgeschichte. In diesem Fall bedeutet das, wir spielen über 100 Level im Stile von 19 historischen Konsolen (13 im Original).

Als namensgebender Pixel, der verblüffende Ähnlichkeit mit unserem Maskottchen Pixi hat, bewegen wir uns durch Level, die mal im Stil eines heute eher unbekannten ZX Spectrum gehalten sind und mal im Look von Klassikern wie dem SNES oder dem Gameboy daherkommen.

Gerade die heutige Generation Gamer kann auf diese Weise in vergangene Gaming-Tage eintauchen und erleben, wie es Gamern früher ging. Wir lernen fast vergessene Konsolen kennen und stürzen uns in Welten, von denen wir nur durch die Erzählungen altgedienter Gaming-Veteranen wissen.

Technologie im Wandel der Zeiten

Ähnlich funktioniert auch A Pixel Story von Lamplight Studios. Ebenfalls aus Großbritannien, ebenfalls 2015 erschienen. Das als 2D-Puzzle-Plattformer deklarierte Spiel führt uns erneut durch verschiedene Videospielgenerationen, vor allem unterscheidbar durch die Grafik.

Wie für ein Spiel über die Videospielgeschichte eigentlich Pflicht sein sollte, startet A Pixel Story mit einer gepflegten Partie Pong. Plötzlich glitcht das Spiel aber und der Ball verschwindet. Nachdem dieser durch verschiedene Welten geglitcht ist, findet er sich in einer Art Traktorstrahl wieder und verbindet sich dort mit anderen Pixeln zum Hauptcharakter, mit dem wir uns dann ins Abenteuer stürzen.

In A Pixel Story bewegen wir uns durch verschiedene Grafikgenerationen. © Lamplight Studios

Auf dem Weg durch eine Welt namens „The System“ ist es unsere Aufgabe, deren Kern zu erreichen. Dort müssen wir dann unserem Feind, dem „Operator“, gegenübertreten. Während unserer Reise durch sechs erkundbare Zonen, müssen wir „[Graphics] Memory“ sammeln, um irgendwann in die nächste Grafikgeneration gelangen zu können. Jede detailreicher und komplizierter als die vorherige.

Das Spiel zeigt also wie Evoland die technische Entwicklung der Gamingwelt und hat somit einen extra Anreiz für Leute, die sich schon etwas mit der Materie auskennen. Neben der Technik erwartet uns in A Pixel Story aber auch einiges an Story. Logisch bei dem Namen.

Game Preservation

Spiele wie Evoland, Life of Pixel oder A Pixel Story lassen uns erleben, was anders vielleicht nicht mehr erlebbar ist. Viele Spiele sterben aus unterschiedlichen Gründen, seien es abgeschaltete Server oder nicht mehr funktionierende Hardware. Mein Kollege Flo hat sich in seinem Artikel über Game Preservation bereits für eine Art verpflichtendes Archiv für Videospiele ausgesprochen, welches die Geschichte des Mediums für spätere Generationen erhalten soll. Die genannten Spiele schaffen das noch auf eine andere Weise.

Es ist dennoch ein Unterschied, ob man ein Original-Spiel auf einer Original-Konsole spielt oder etwas, das „nur“ zeigen soll, wie es aussehen und sich anfühlen würde. Nichtsdestotrotz sind diese Spiele ein guter Weg, die Videospielgeschichte gebündelt an die Spieler heranzutragen. Und bis die Politik uns bei der Rettung der Retrospiele hilft, sind Evoland und Co eine annehmbare Alternative.


Titelbild © Shiro Games

Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.

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