Jump Force – Mehr als nur ein Manga-Klopper?

Ein bunter Mix aus Manga-Charakteren. Reicht das für Jump Force, um sich als Fighting-Game zu behaupten? Von Louis Oelmann.

Ich habe nie wirklich Gefallen an Fighting-Games gefunden. Weder Street Fighter oder Mortal Kombat noch Soulcalibur haben mich je überzeugen können. Oft kam ich mir überfordert vor, was schließlich in wüstem Button Mashing endete. Man kennt das ja. Wirklich Spaß macht das nicht. Und trotzdem hat mich Jump Force von Spike Chunsoft dazu gebracht, noch einmal einen Fuß in den Ring zu setzen. Vielleicht braucht es ja nur die richtigen Kämpfer für mich.

Jump Force ist ein Crossover-Fighting-Game, das anlässlich des 50. Geburtstags der Manga-Zeitschrift Weekly Shōnen Jump entwickelt wurde. Shōnen Manga steht wörtlich übersetzt etwa für “Comic für Jungs”, ist das beliebteste Manga-Genre weltweit und besteht zum Großteil aus einem Mix zwischen Action und Comedy. In der Weekly Shōnen Jump finden beispielsweise die Universen von Dragon Ball, One Piece und Naruto ihr Zuhause.

Manga-Prominenz

Diese drei Universen tragen auch den Hauptteil der Charaktere in Jump Force bei. Schon in der Introsequenz sehen wir die Helden aus den jeweiligen Welten, Son-Goku, Monkey D. Ruffy und Naruto Uzumaki, gegen den Dragon Ball-Bösewicht Freezer in den Kampf ziehen. Warum, bleibt zunächst unklar.

Dieses Roster an bekannten Manga- und natürlich auch Anime-Charakteren ist auch der Grund, weshalb Jump Force schließlich in meiner Spielebibliothek gelandet ist. Schon in jungen Jahren kam ich in Kontakt mit Mangas und Dragon Ball war die erste Reihe, die ich vervollständigt habe.

Nun ja, immerhin die Originalreihe mit 42 Bänden. Auch One Piece und Hunter × Hunter stehen in meinem Regal. Naruto steht noch auf der Liste. Sie alle sind mit Charakteren in Jump Force vertreten. Und was gibt es schöneres, als mit liebgewonnen Helden und Bösewichten anderen am Bildschirm auf die Fresse zu hauen?

Auch Yugi zählt im Verlauf des Spiels zu den spielbaren Charakteren.

“Warum hat er dann nicht auch Dragon Ball FighterZ gespielt?”, mag sich jetzt so mancher unter euch fragen. Und ich kann nur antworten: Gute Frage. Ich habe früher zwar in den ein oder anderen Teil der Budokai Tenkaichi-Reihe reingeschnuppert, Dragon Ball FighterZ hat mich aber nicht wirklich gecatcht. Seltsam eigentlich.

Aber vielleicht ist einfach das Crossover das, was für mich den Reiz ausmacht. Die sind nämlich immer gut. Ob nun Family Guy und die Simpsons, Supernatural und Scooby-Doo oder das Mega-Videospiel-Crossover Kingdom Hearts, wenn verschiedene Welten aufeinandertreffen, endet es in unterhaltsamem Chaos. Und um es mit den Worten von Mr. Peanutbutter aus Bojack Horseman zu sagen: “What is this, a crossover episode?”

Auf in den Kampf – fast

Aber genug von den Gründen, warum ich mich für Jump Force entschieden habe. Wir wollen endlich Bösewichte vermöbeln. Erst einmal erstellen wir uns aber einen eigenen Charakter, inklusiver bunter Hautfarben und ikonischen Manga-/Animefrisuren. Wenn uns Smash Bros. mit Miis spielen lässt, dann dürfen wir doch wohl auch in Jump Force mit unserem eigenen Charakter in den Kampf ziehen, oder?

Neben dem Aussehen müssen wir uns aber auch für einen Kampfstil entscheiden: Kampfkunststil, Piratenkampfstil oder Ninjakampfstil. Ganz offensichtlich an die drei Haupthelden angelehnt.


Ist der Charakter erstellt, geht es in das erste Tutorial. Ah, okay, so schlägt man also. Mit dem Button sogar noch etwas fester. Springen kann man auch. Die Basics eben. Für den ersten KI-Gegner reichts in jedem Fall. Der ist übrigens nicht einfach nur ein Dummy, sondern ein Venom. Menschen, die von sogenannten Umbras-Kuben kontrolliert und von den Jump Force-Charakteren Kane und Galena angeführt werden.

Nach dem ersten Tutorial gelangen wir in die Umbras-Basis, unser Hauptquartier. Dort erklärt uns Direktor Glover, dass die Mangawelten, insgesamt als “Jump” bezeichnet, sich mit der realen Welt verbinden und böse Menschen zu Venoms machen. Um sich diesen Gegnern zur Wehr setzen zu können, gründete Glover die Jump Force, eine Kampfeinheit bestehend aus den Jump-Helden und all jenen, die sie im Laufe der Geschichte von den Umbras-Kuben befreien.

Endlich richtig kämpfen

In der Basis müssen wir uns nun einem von drei Teams innerhalb der Jump Force anschließen. Team Alpha, geleitet von Son-Goku, verteidigt die Basis gegen angreifende Venoms. Team Beta, unter dem Vorsitz von Ruffy, erobert besetzte Gebiete wieder zurück. Und Team Gamma, angeführt von Naruto, ist für Aufklärungs- und Spionagemissionen zuständig. Schlussendlich ist es aber recht egal, wofür wir uns entscheiden. Nur unser Moveset wird zu Beginn von dieser Entscheidung bestimmt. Im Laufe des Spiels kann man dieses aber nach Belieben abändern.

Moveset ist auch ein gutes Stichwort. Endlich dürfen wir krassere Attacken ausprobieren. Und die sind sogar recht einfach anzuwenden. Hatte ich in anderen Fighting-Games noch das Gefühl, dass keine Combo so funktioniert, wie ich will, lassen sich Spezialattacken in Jump Force durch einfaches Betätigen des rechten Triggers in Kombination mit einem der vier Hauptbuttons aktivieren. Zusammen mit Dodges, Grabs, Blocks und Counters bleiben die Möglichkeiten einigermaßen übersichtlich, bieten aber dennoch genug Raum zum Ausprobieren und Kombinieren.

Venoms und gehirngewaschene Kameraden gehören ordentlich verprügelt.

Jeder Kampf findet drei gegen drei statt. Alle drei Helden teilen sich eine Energieleiste und lassen sich während des Kampfes fließend austauschen. In der Story sind das immer zwei Manga-Persönlichkeiten und unser eigens erstellter Charakter.

An die Arbeit!

Jetzt können wir uns endlich in die wichtigen Kämpfe stürzen. Storymissionen führen uns logischerweise durch die Geschichte. Daneben gibt es aber auch noch Freie Missionen, die eine Art Herausforderungsmodus darstellen, und Extra Missionen, bei denen wir unseren Geldbeutel etwas füllen können, um uns dann neue Fertigkeiten und Outfits freizuschalten. Die Fertigkeiten sind übrigens erst verfügbar, wenn wir gegen einen entsprechenden Gegner gekämpft haben.

Was die Story angeht, möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Eines aber vorweg: Macht euch auf klassische Filler-Momente gefasst, wie man sie aus Animes kennt. Manchmal zieht sich die Geschichte sehr in die Länge. Aber in Fighting-Games ist die Story meistens zweitrangig. Ein bisschen mehr Mühe hätte man sich trotzdem geben können.

Natürlich dürfen wir uns auch mit realen Gegnern messen. Sowohl online als auch offline steht ein PvP-Modus bereit. Zusätzlich bietet der Ranked-Modus einen besonderen Anreiz, sich zu verbessern und so die Bestenlisten nach oben zu klettern.

Die Schauplätze in Jump Force sind eine Mischung aus echter Welt und bekannten Manga/Anime-Kulissen.

Fazit

Insgesamt bleibt Jump Force vor allem Fan-Service. Es macht wirklich Spaß, mit bekannten Charakteren durch die Gegend zu hüpfen und anderen mit beeindruckend animierten Spezialattacken Feuerbälle oder sonstiges um die Ohren zu schießen. Das Kampfsystem funktioniert gut und auch die Story ist im Großen und Ganzen recht passabel. Wer sich im Bereich Manga/Anime aber weniger auskennt, der hat nicht unbedingt einen Grund sich von den eingangs erwähnten Genre-Platzhirschen abzuwenden. Dafür hebt sich Jump Force nicht genug von seiner Konkurrenz ab.

Was mich angeht, so kann man wohl von einem klassischen Zwiespalt reden. Auf der einen Seite will ich Jump Force einfach lieben. Die Manga-Welten sind schon irgendwie Teil von mir. Auf der anderen Seite kann ich Fighting-Games noch immer nicht viel abgewinnen. Naja, einen Versuch war’s wert.


Bebilderung © Bandai Namco

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Autor/Autorin

Louis Oelmann

Wenn es irgendwo etwas zu looten gibt, kann Louis nicht weit sein. Dementsprechend verbringt er auch viel Zeit in Spielen wie Borderlands oder Skyrim. Wenn Skags und Drachen ausgerottet sind, schreibt er Artikel und steht auch immer wieder gerne vor und hinter der Kamera.

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