Monster Hunter World: So macht Grinden Spaß

Nach 40 Millionen verkauften Exemplaren bei primär asiatischer Fangemeinde bläst Capcom nun zum Angriff auf den westlichen Markt. Die Formel in Monster Hunter World überzeugt.

Bisher hat sich die Erfolgsserie Monster Hunter im Westen noch kaum durchgesetzt. Seit 26. Jänner steht mit Monster Hunter World die neueste Auskopplung in den Regalen. Die richtet sich nun an eine breitere Zielgruppe als bisher und das mit einem gewagten Spielprinzip.

Das Farmen von Material für ein umfangreiches Crafting-System steht im Mittelpunkt. Fans der Serie schätzen Monster Hunter genau dafür. Unterschiedlichste Boss-Monster wollen immer und immer wieder bezwungen werden, um an kostbare Zutaten zu kommen. Doch wie soll derart repetitives Gameplay massentauglich werden?

Gefahren im Tutorial von Monster Hunter World

In welchem Film haben wir diese Situation schon einmal gesehen?

Von Nintendo-Exklusivität und einem Fokus auf Handhelds bei den letzten Ausgaben transferiert Capcom den Erfolgstitel dafür erstmals auf die Playstation 4 und Xbox One. Eine PC-Version soll später im Jahr folgen. Nach den vorangegangen, offenen Beta-Phasen waren Erwartungen und Vorfreude groß.

Jurassic Park ohne Zäune

Unser Abenteuer startet zunächst auf hoher See. Die Forschungskommission hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Wanderung der Drachenältesten auf den Grund zu gehen. Mit einigen Hindernissen – wir wollen die mitunter epischen Story-Sequenzen nicht spoilern – gelangen wir schließlich auf die Insel, auf der Monster Hunter World spielt. Dort lädt eine gigantische, wunderschöne und detailliert gestaltete Welt die Spieler zum Erkunden ein.

Das Tutorial führt uns durch den ersten Abschnitt – den Uralten Wald. Im Dickicht lauern die ersten Gefahren und wir fühlen uns sofort als Großwildjäger. Zur Tarnung dienen Pflanzenbüschel, mit unserer Schleuder können wir Monster gezielt in eine Richtung locken. Taktisches Vorgehen wird mit der Fortdauer des Spiels jedoch nur mäßig wichtiger. Hauptsache, wir beherrschen die Waffe unserer Wahl und die Ausweichrolle.

Das dynamische Ökosystem in Monster Hunter World

„You’re in my spot!“, würde Sheldon sagen.

Auch wenn wir immer wieder die selben Monster jagen, werden die Jagdausflüge dank dynamischem Ökosystem nie langweilig. In jedem Gebiet wohnen unterschiedliche Tiere. Die gehen einander an die Gurgel, wenn Territorien verletzt werden. Ein einfacher Jagdauftrag wird so plötzlich zur echten Herausforderung. Besonders, wenn sich Monster einmischen, für die unsere Fähigkeiten noch nicht reichen.

Das richtige Equipment

Was auf dem Papier nach langweiliger Wiederholung klingt, wird in der Praxis zu einer abwechslungsreichen Erkundungstour. Die können wir entweder im Zuge von verschiedensten Quests oder dem Free-Roam-Modus “Expedition” nach Herzenslust genießen.

Einen Skilltree gibt es nicht. Der Charakterfortschritt hängt von der Ausrüstung ab. Die wird in der Schmiede im Hauptquartier der Forschungskommission aus den erbeuteten Materialien hergestellt. Dazu brauchen wir außerdem noch verschiedene Erze und Knochen, die sowohl als Rohstoffe an diversen Stellen der Welt abgebaut werden können, als auch als Questbelohnung auftauchen. Das alles ist bekannt. Eine Neuerung zu den Vorgängern ist die Art, wie Boni auf den Rüstungen verteilt sind.

Fische statt große Monster

Auch für Downtime ist in Monster Hunter World gesorgt

Manche Sets bringen klassische Setboni. Grundsätzlich trägt aber jedes Rüstungsteil einen eigenen Bonus, sodass wir unterschiedliche Sets nach unseren Bedürfnissen kombinieren können. Außerdem lassen sich alle Gegenstände auch noch verbessern. Dafür brauchen wir wiederum sogenannte Rüstungskugeln. Die gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen – und schon wird die Sache ziemlich komplex.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Ein weiterer Trick, um das Grinden abwechslungsreich zu gestalten, sind die vielen verschiedenen Questtypen. Die haben unterschiedliche Zeitlimits und Belohnungen. Dazu kommen sogenannte Beutezüge: Passiv-Herausforderungen, die während der Quests mit abgeschlossen werden. Letztere sind unsere Quelle für Rüstungskugeln.

Wer sich von einer linearen Story berieseln lassen will, ist hier garantiert falsch. Monster Hunter World ist nach wie vor ein gefundenes Fressen für alle Perfektionisten. Weil der Fokus auf der Verbesserung der Ausrüstung liegt, zahlt das gesamte Gameplay aber auch für Anfänger auf diese Hauptmotivation ein. Damit finden sich stets erstrebenswerte Zwischenziele.

Palico und Wildexpertin helfen in Monster Hunter World

Unsere beiden Helfe, der Palico und die Wildexpertin

Während in RPGs oft der Zufall entscheidet, welches Item ein Boss zurücklässt, lassen sich diese in Monster Hunter World gezielter farmen. Der Ökologe der Kommission führt ein Monsterlexikon. Je mehr Erfahrung wir durch Spurensuche und Kämpfe mit den Monstern machen, umso mehr erfahren wir über sie. Im Lexikon können wir die Seltenheit einzelner Materialien nachschlagen und ob diese durch gezielte Attacken auf bestimmte Körperteile leichter erbeutet werden können.

Die heimlichen Helden

Grundsätzlich ist Monster Hunter World ein Multiplayertitel. Das ganze Spiel ist darauf aufgebaut. Sofern eine Internetverbindung besteht, können wir jederzeit Hilfe herbeirufen oder andere Mitspieler in Gruppen von bis zu vier unterstützen. Und das macht selbst ohne Voicechat jede Menge Spaß.

Einer bearbeitet die gepanzerten Füße des Ungetüms mit einem dicken Knüppel, ein weiterer legt Fallen, damit der dritte in Ruhe seine Waffe schärfen kann. Währenddessen stürzt sich Nummer vier todesmutig auf den Rücken des Monsters und bearbeitet es mit seinen Dolchen.

Teamplay ist in Monster Hunter World wichtig

Mit vereinten Kräften gegen die Naturgewalten

Doch auch Singleplayer-Freunde kommen voll auf ihre Kosten. Die Aufgaben sind fordernd, die Welt ist wunderschön. In vier Tagen standen bei uns noch vor der ersten Online-Session bereits 30 Stunden Spielzeit auf der Uhr. Das liegt auch an den supersüßen Helfern, die uns auf der Jagd begleiten, wenn keine Mitspieler zur Stelle sind: Den Palicos. Sie kämpfen an unserer Seite und versorgen uns beispielsweise mit Heilwespen.

Jedesmal aufs Neue zaubert uns das kleine Fellknäuel ein Grinsen aufs Gesicht, wenn es ein “Miaunster” entdeckt hat. Unser persönliches Highlight ist der Koch und seine Crew. Vor jeder Jagd empfiehlt sich eine Mahlzeit, um unsere Attribute zu erhöhen. Der “miauskuläre” Koch sorgt für reichlich “Pfotein” auf dem Speiseplan und die Mini-Cutscenes der Zubereitung sind ein Grandiosum für sich.

Die Kantine von Monster Hunter World wird von Palicos betrieben

Die süßeste Kantinen-Crew der Videospielgeschichte

Kleine Makel

Auch wenn wir versucht sind, uns voll und ganz dem Schwärmen hinzugeben, ein paar Kleinigkeiten trüben den Spielspaß dann doch. Das sind zum einen Dialoge und Cutscenes bei diversen Händlern wie dem Schmied. Bevor wir ans Craften oder neue Aufträge können, müssen wir stets einige Zeilen Text oder eine Minisequenz ertragen. Abgesehen von der Küchencrew geht das schnell auf die Nerven.

Dazu kommt die unendliche Flut an Items und Rohstoffen im Inventar. Natürlich ist dieser Umfang das Aushängeschild von Monster Hunter World. Während Steuerung und Schwierigkeitsgrad relativ einsteigerfreundlich sind, verliert ein Neuling in den Menüs aber schnell den Überblick.

Ein zweischneidiges Schwert ist in unseren Augen auch das neue Ortungssystem: Die Spähkäfer. Finden wir Spuren von Monstern, führen uns die kleinen Schwärmer zu ihnen. Je mehr Fußabdrücke oder Schleifspuren wir entdecken, umso genauer funktionieren die Käfer. Zunächst lotsen sie uns zur nächsten Spur, dann direkt zum Monster und schließlich bekommen wir es sogar auf der Weltkarte angezeigt.

In früheren Monster Hunter-Teilen mussten wir das Ziel mit Farbkugeln beschießen, um seine Bewegungen auf der Karte verfolgen zu können. Insofern ist das neue System eine Verbesserung. Jedoch hakt die Mechanik an jenen Stellen, wo die Käfer nicht länger nur zur nächsten Spur, sondern plötzlich direkt zum Monster führen. Müssen wir in so einem Fall umkehren, ist manchmal der ganze Bereich voller Glühwürmchen und es dauert einen Moment bis wir erkennen, welche Abzweigung zum Ziel führt.

Fazit

Alles in allem können wir nur auf sehr hohem Niveau jammern. Optisch ist Monster Hunter World ein Genuss. Dank der Palicos kommt auch der Humor nicht zu kurz. Die Kämpfe sind fordernd und die Steuerung durchwegs sehr praktisch. Inventar-Management ist enorm wichtig und die richtige Ausrüstung das A und O.

Jäger, Sammler und Erforscher werden gleichermaßen angesprochen. Besonders dann, wenn wir ein bisher neues Monster zum ersten Mal entdecken, ist das Staunen groß. Das Spielprinzip muss man aber mögen. Wer kein Problem mit stundenlanger Sammlerei für neue Ausrüstung hat, wird viele Stunden in Monster Hunter World versinken. Zudem wurden uns bereits kostenlose DLCs versprochen.


Bildmaterial © Capcom

Autor/Autorin

Clemens Istel

Schon als Kind hatte Clemens lieber den MegaDrive Controller als das Fläschchen in der Hand. Rund ein Vierteljahrhundert macht er bereits virtuelle Welten unsicher. Ob RPG oder FPS, kaum ein Genre ist vor ihm sicher. Selbst im ESport hat der "Head of Head off" von Screaming Pixel seine Erfahrungen gesammelt. Grundsätzlich gilt für ihn: Je openworlder, desto zock!