Die Stimme unserer Träume: GLaDOS und der Brückenbau

Mit Bridge Constructor Portal bringt uns ClockStone ein Crossover zwischen Portal und Bridge Constructor. Welch Überraschung bei der Namensgebung. Seit 1. März kann man das Konstruktionsspiel auch auf der PS4 zocken.

Ach GLaDOS. Wie kann man die Stimme aus dem Off der Portal-Reihe nicht lieben? Natürlich schwingen einige negative Erinnerungen mit, aber wenn wir uns ehrlich sind, kann man der sarkastischen Computerstimme nach all den Strapazen nicht lange böse sein. Und Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden.

Sieben Jahre nach Portal 2 können wir unser Lieblingsstimmlein nun also wieder vernehmen. Allerdings in einem komplett anderen Setting.

Crossover mal richtig

Portal war mit Sicherheit eines der innovativsten Spiele dieses Jahrtausends. Mit einer Puzzlemechanik, die seinesgleichen sucht, dem leichten Sarkasmus und der Geschichte rund um GLaDOS hat Valve ein Franchise geschaffen, das bis heute in den Köpfen der Fans hängen geblieben ist. Da ist es nur logisch, dass man sich dem Spiel weiter annehmen möchte.

Anstatt eines neuen Portal-Games gibt es jetzt Bridge Constructor Portal. Während die übernommenen Elemente des Puzzle-Klassikers wie zum Beispiel Portale, Beschleunigungsgel und die altbekannten Würfel dem Brückenbau eine neue Perspektive geben, bleiben die klassischen Brückenbau-Mechaniken leider etwas auf der Strecke.

Um von A nach B zu kommen, müssen einige Hindernisse überwunden werden. ©Headup Games

Um von A nach B zu kommen, müssen einige Hindernisse überwunden werden. ©Headup Games

Ich würde mir mehr Bauteile wünschen. Außer Träger, Seile und Straßenelemente, gibt es nicht besonders viel Material. Man hat sich hier zu sehr auf die Nostalgie von Portal konzentriert und die originalen Spielelemente etwas vernachlässigt. Natürlich lassen sich die Testkammern vielseitig und kreativ lösen, doch durch vielfältigeres Baumaterial hätte da noch einiges mehr an Spielspaß mit geringem Aufwand herausgekitzelt werden können.

Testkammern und Kuchen

Das Konzept des Spiels ist einfach: Baue eine Brücke, damit Fahrzeuge von A nach B fahren können. Alles im Sinne der Wissenschaft. Die Ansicht des Spiels ist dabei, wie bei anderen Brückenbauspielen, eine Totale. Das Drehmoment und die Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge die Portale durchqueren bleiben, ganz nach Portal-Vorbild, erhalten. Damit ergeben sich unzählige Optionen, wie man verschiedene Level lösen kann.

Das macht überraschend viel Spaß. Das Bauen der Brücken wird dadurch kreativer und vielfältiger, als in anderen Brückenbauspielen. Außerdem können die Fahrzeuge durch die Portale die Richtung ändern, von einem Ende des Raums zum anderen springen und über Sprunggele durch die Luft geschleudert werden.

Nach alter Portal-Manier müssen wir nun also 60 Testkammern mit mehr oder weniger stabilen Brücken füllen. GLaDOS ist dabei unsere ständige Begleiterin. Sie gibt uns Anweisungen, erklärt uns die Mechaniken, und macht uns auch freundlicherweise darauf Aufmerksam, dass schwere Unfälle passieren können. Im Todesfall wird allerdings, und darauf ist das Enrichment Center sehr stolz, die Familie benachrichtigt. Das Ganze passiert ohne Lohnabzüge! Großzügig wie eh und je, Aperture Science.

Nach harter Arbeit haben wir uns eine Belohnung verdient. ©Headup Games

Nach harter Arbeit haben wir uns eine Belohnung verdient. ©Headup Games

Nach jedem zehnten Level winkt eine kleine Belohnung für die großartige Arbeit. Unter anderem eine Überwachungskamera, ein Turret, ein Companion Cube oder ein Bildschirmschoner mit dem Bild eines Kuchens! Ha! The cake is not a lie anymore. Zumindest so halb.

Humor vs. Abwechslung

Während der wundervolle Humor von Bridge Constructor Portal mir wirklich ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat, muss ich hier nochmal betonen, dass das tüfteln um die perfekte Brücke leider etwas zu kurz kommt. So gerne ich mir von GLaDOS sagen lasse, dass verschwommenes Sehen eine unerwünschte Nebenwirkung der Umwandlung von Aperture Science super-wandelbaren Planken in Fahrbahnen ist, so sehr wünsche ich mir mehr Bauteile als ein paar Stahlseile, besagte Fahrbahnen und Stahlträger.

GLaDOS unterstützt uns mit hilfreichen Tipps! ©Headup Games

GLaDOS unterstützt uns mit hilfreichen Tipps! ©Headup Games

ClockStone legten viel Wert darauf, das Gefühl und den Flair der Portal-Games in ihr Spiel einfließen zu lassen. Das haben sie sicherlich auch geschafft. Außerdem wurden die Mechaniken von Portal gut umgesetzt. Die wenigen Bauteile machen dem ganzen Bauspaß trotzdem einen Strich durch die Rechnung. So artet das Ganze schnell in „Wie platziere ich jetzt meine Bahnen und Seile, damit mich die Turrets nicht erwischen“ aus und alles andere rückt leider in den Hintergrund.


Bebilderung: ©Headup Games

Autor/Autorin

Ana Lagger

Ana ist der Moodmaker von Screaming Pixel. (Naja, zumindest wenn es um negative Stimmung geht). Ihr Spiritanimal ist eine Mischung aus Sadness (Inside Out) und Scar. Dementsprechend ist auch ihr Geschmack. Spiele? Je depressiver, desto besser. Meistens spielt und schreibt sie über storylastige Indiegames.